Band 
Erster Teil.
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Hierauf mußte er den Töchtern des großen Scipio, den Schwe-stern seines Adoptivvaters, die Hälfte der Mitgift auszahlen.Der Vater hatte nämlich jeder seiner Töchter fünfzig Talenteversprochen; hievon hatte die Mutter den Schwiegersöhnen dieeine Hälfte nach dem Tode ihres Gatten gegeben, die andere solltensie nach ihrem Ableben erhalten. Nach römischem Gesetze hättesie Scipio erst binnen drei Jahren und zwar in zehnmonatlichenTerminen zu entrichten gehabt. Er befahl aber seinem Wechsler,jeder der beiden Frauen nach den ersten zehn Monaten den gan-zen Rest der Summe auszubezahlen. Als nun Tiberius Sempro-nius Gracchus und Scipio Nasica — die Männer der vorerwähntenFrauen — das Geld erhielten, äußerten sie, Scipio befinde sichim Irrtum. Dieser aber entgegnete, das sei ihm wohlbekannt;Fremden gegenüber müsse man streng auf seinen gesetzlichenRechten bestehen, gegen Verwandte und Freunde dagegen nachMöglichkeit einfach und edel verfahren; er bat sie daher, dasGeld in Empfang zu nehmen. Tiberius und Scipio Nasica kehrtenschweigend zurück, erstaunt über die Gesinnung des Scipio undbeschämt über ihre eigene kleinliche Denkart, obgleich sie hin-ter keinem Römer zurückstanden.

Als hierauf nach zwei Jahren sein wirklicher Vater starb undihn und seinen Bruder Fabius als Erben hinterließ, benahm ersich wiederum wahrhaft vornehm. Weil sein Bruder ein gerin-geres Vermögen besaß, trat er ihm den ganzen Nachlaß —mehr als sechzig Talente — ab, und als Fabius dem Vater zuEhren Gladiatorenkämpfe veranstaltete, den Aufwand aber we-gen der Menge des erforderlichen Geldes nicht bestreiten konnte,steuerte er hierzu die Hälfte aus seinem eigenen Vermögenbei. Die ganze Summe beläuft sich aber auf nicht wenigerals dreißig Talente, wenn jemand solche Kämpfe auf glänzendeWeise veranstaltet.

Beim Tode seiner Mutter überließ Scipio deren ganzen Nach-laß seinen Schwestern, obwohl sie darauf keinen gesetzlichenAnspruch hatten. Als diese nun den Schmuck der Ämilia undderen glänzende Einrichtung für Festaufzüge erhielten, wurde derhochherzige Sinn des Scipio und seine Verwandtenliebe abermalsGegenstand des öffentlichen Gesprächs. Dies sind die Mittel,welche Scipio von früher Jugend auf anwandte, um in denRuf einer edlen und ehrenhaften Gesinnung zu kommen. Der