239
den Sommer aufs beste eingerichtet, für den Winter aber unbe-wohnbar gemacht habe. „Nun,“ versetzte Lucullus, ..du traustmir also doch weniger Verstand zu als den Kranichen und Stör-chen, daß ich meine Wohnung nicht nach den Jahreszeiten wech-seln sollte?“
Einst bat ihn ein Prätor, der dem Volke prächtige Schau-spiele geben wollte, ihm zur Ausschmückung eines Chors einigePurpurröcke zu leihen. Lucullus antwortete er, er wolle nachsehenund, wenn er solche habe, sie ihm gern geben. Am folgendenTage fragte ihn Lucullus, wie viel er nötig habe, und als derPrätor sagte, hundert würden schon genügen, hieß er ihn, sichZweimal so viel geben zu lassen. Dabei macht der DichterFlaccus*) die Bemerkung, er halte das eben noch für keinen Reich-tum, wo des Übersehenen und Vergessenen nicht mehr sei, alsin die Augen fällt.
Übrigens herrschte an der Tafel des Lucullus, wie es bei einemschnell erworbenen Reichtum gewöhnlich der Fall ist, alle Tageeine außerordentliche Pracht und Verschwendung, nicht nur anpurpurnen Lagerdecken, an goldenen mit Edelsteinen besetztenTrinkgefäßen, an Schauspielen und Konzerten, sondern auch anden mancherlei auf die künstlichste Art zubereiteten Gerichtenund Leckerbissen, wodurch er sich bei dem großen Haufen Be-wunderung verschaffte. Als der Arzt dem Pompejus bei einerKrankheit einen Krammetsvogel verordnete und seine Bedientenversicherten, solche Vögel wären jetzt im Sommer nirgends auf-zutreiben, als bei Lucullus, der sie füttern lasse, wurde esdem Pompejus daher sehr gut ausgelegt, daß er durchaus keinenvon dort zu holen erlaubte, sondern zum Arzte sagte: „Also,wenn Lucullus nicht schwelgte, könnte'Pompejus nicht leben“ —und ihm befahl, etwas anderes zu bereiten, das leichter zu be-schaffen sei.
Daß Lucullus aber an dieser Lebensart nicht nur Vergnügenfand, sondern auch eine besondere Ehre darin suchte, ersiehtman aus verschiedenen Anekdoten, die über ihn im Umlauf sind.
*) Quintus Horatius Flaccus; die betreffende Stelle -in denEpisteln, I, 6, 45 f, lautet nach Wielands Übersetzung:
,,So recht! Das ist ein armes Haus, das nicht
Von Sachen strotzt, wovon der Hausherr selbst nichts weiß
Und die den Dieben nur zu statten kommen.“