Band 
Erster Teil.
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35. Cicero über Cäsar.

Aus einem Brief an Cäcina. (Briefe an Freunde, VI, 6). Nach Hüter.

Cäsar besitzt ein mildes und gütiges Wesen. Dazu kommt,daß er am Umgang mit Männern von Geist seine besondere Freudefindet. Außerdem ist er den Wünschen vieler gegenüber nach-giebig, vorausgesetzt, daß sie gerecht sind und von warmerFreundschaftsbeflissenheit zeugen, nicht aber grundlos und nurvon Liebedienerei bestimmt sind. Schließlich ist er ein sehrscharfsichtiger und weit ausschauender Mann.

So viel über seine Person; nunmehr ein Wort über die Lageder Zeiten und der Dinge! Niemand ist in dem Grade Feind derParteisache, die Pompejus, mehr mutig als tatsächlich bereit,übernommen hatte, daß er uns schlechte Patrioten und Schurkenzu nennen wagte. In dieser Hinsicht muß ich stets Cäsar wegenseiner Würde, seiner Gerechtigkeit und Weisheit bewundern;nie erwähnt er den Pompejus anders als in den ehrenvollstenAusdrücken. Man wird einwenden: „Ja, aber an ihm als politischerPersönlichkeit hat er doch zu übel gehandelt.“ Das haben Kriegund Sieg getan, nicht Cäsar. Hingegen uns, wie gütig hat eruns in seine Arme geschlossen! — '

36. Cäsars Ermordung, 44 v. Chr.

Plutarch, Cäsar, G3—67. Nach Kaltwasser-Güthling.

Plutarcli erzählt, Calpurnia, Cäsars Gattin, habe in der Nachtvor der Ermordung von Cäsars Tod geträumt.

Am Morgen früh beschwor Calpurnia den Cäsar, wenn es.irgend möglich wäre, heute nicht auszugehen, sondern die Sit-zung des Senats zu verschieben; wolle er aber auf ihre Träumekeine Rücksicht nehmen, so möge er durch andere Mittel derWahrsagekunst und durch Opfer sich über die Zukunft Ratserholen. Dies erregte denn auch, wie es schien, bei ihm Arg-wohn und Besorgnis, weil er bei Calpurnia noch nie den weibischenHang zum Aberglauben bemerkt hatte und sie jetzt so sehr auf-geregt und in Angst sah. Da auch die Wahrsager nach vielenOpfern erklärten, daß sie lauter ungünstige Anzeichen fänden,beschloß er, die Sitzung des Senats durch Antonius absagenzu lassen.