Band 
Erster Teil.
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völlig untätig; die Sorge für Haus, Herd und Acker fällt denFrauen und Greisen, außerdem den schwächsten Familiengliedernzu. Sie selber tun nichts; ein seltsamer Widerspruch in ihrerNatur! Dieselben lieben den Müßiggang und hassen die Ruhe.

Wie hinlänglich bekannt ist, wohnen die germanischen Völ-ker nicht in Städten; sie lieben es nicht einmal, daß die Ansiede-lungen eng aneinander grenzen. Getrennt, zerstreut, siedeln siesich an, wo eine Quelle, ein Stück Land, ein Hain sie einlädt.Ihre Dörfer bauen sie nicht wie wir, indem sie geschlosseneReihen von Häusern aufführen. Jeder hat um sein Gehöft herumeine freie Fläche, mag nun die Veranlassung dazu im Schützgegen Feuersgefahr oder in ihrem mangelnden Verständnis fürBaukunst liegen. Sie kennen nicht einmal Bruch- und Backsteine.Durchweg wird unbearbeitetes Baumaterial verwendet; auf Schön-heit und angenehme Formen wird keine Rücksicht genommen.Manche Stellen werden sorgfältiger behandelt und mit so glän-zender Erde bestrichen, daß sie wie Gemälde und Farbenzeich-nungen aussehen.

Die allgemeine Tracht ist ein durch eine Spange oder inderen Ermangelung durch einen Dorn zusammengehaltener Über-wurf. In diesem Kleidungsstück liegen sie den ganzen Tag amHerdfeuer. Die reichsten Leute tragen außerdem ein Unter-gewand, nicht weit, sondern eng anliegend, so daß die Körper-formen hervortreten. Auch Tierfelle werden getragen, in derNähe des Rheins ohne besondern Geschmack, weiter im Innernmit feiner Auswahl, weil kein Handelsverkehr dort Gelegenheitzu anderweitigem Schmuck bietet. Gewisse Tierarten werdenausgewählt und ihr Fell mit gepflegtem Pelzwerk verbrämt, dasdroben vom Ozean und dessen unerforschter Tierwelt herstammt.Die weibliche Kleidung unterscheidet sich nur dadurch von dermännlichen, daß die Frauen oft leinene Gewänder tragen, die siemit Purpur besetzen. Mit Ärmeln sind ihre Kleidungsstücke jedochnicht versehen. Unterarm und Oberarm bleibt frei, ebenso einTeil der Brust.

Indessen sind ihre Ehen streng. Sie bilden entschieden dielobenswerteste Seite des germanischen Lebens. Die Germanensind fast das einzige Barbarenvolk, das sich mit einem Weibebegnügt. Nur wenige Ausnahmen finden statt. Eine Mitgift gibtnicht die Frau dem Manne, sondern der Mann der Frau. Die