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zu einer andern Herberge. Ungeladen trit-t er mit ihm in dasnächste Haus. Und ein Unterschied wird dann nicht gemacht;beide werden mit gleicher Freundlichkeit aufgenommen; niemandfragt darnach, ob der Gast ein Bekannter oder ein Unbekanntersei. Wenn er beim Scheiden um ein Geschenk bittet, darf derWirt es ihm nicht abschlagen. Ebenso unbefangen fordert auchder Wirt ein Geschenk. Man freut sich an solchen Gaben, be-rechnet aber nicht, was man gibt, und fühlt sich nicht gebundendurch das, was man empfängt.
Gleich nach dem Schlafe, der meist bis in den Tag hineindauert, wird gebadet, in der Regel warm, weil in Germanien fastimmer Winter ist. Nach dem Bade nimmt man eine Mahlzeitein, wobei man nicht beieinander sitzt, sondern jeder seineneigenen Tisch hat. Dann geht es an die Arbeit und nicht wenigeroft zum Gelage, und zwar in Waffen. Es wird niemandem ver-dacht, wenn er Tag und Nacht durchzecht. In der Trunkenheitkommt es dann häufig zum Streit, der selten mit Worten geführtwird. Meist endet er mit Mord und Verwundungen. Aber beimGelage finden in der Regel auch Beratungen über die VersöhnungVerfeindeter, über den Abschluß von Heiraten, über die Wahlvon Häuptlingen, ja über Krieg und Frieden statt. Es ist, als obder Mensch zu keiner andern Zeit einem einfachen Gedanken sozugänglich wäre und für einen großen Gedanken sich so erwärmenkönnte. Dies Volk ist noch nicht hinterlistig und verschlagen;es gibt seine Geheimnisse noch in freiem, heiterem Scherze preis.Alle Seelen liegen hüllenlos und nackt da. Am nächsten Tage wirddann die Angelegenheit wieder aufgenommen, so daß jeder Tages-zeit ihr Recht wird: die Beratung wird zu der Zeit gehalten, woman seine Gedanken nicht verbergen kann, und der Beschlußzu der Zeit gefaßt, wo man sich nicht täuschen kann.
Als Getränk dient ein aus Gerste oder Weizen bereiteter Saft,der durch Gärung in eine Art Wein verwandelt wird. Die Nach-barn des Rheins kaufen auch Wein ein. Die Speisen sind einfach:wildes Obst, frisches Wildpret und geronnene Milch. Man stilltnur den Hunger und macht keine Umstände mit Leckereien undReizmitteln. Dem Durst gegenüber ist man weniger enthaltsam.Wer der Trunksucht der Germanen Vorschub leistete und ihnenzu trinken gäbe, soviel sie begehren, der könnte sie durch ihr