Band 
Erster Teil.
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zu erweisen, und ebenso war das gesamte anwesende Heer inwehmütiger Stimmung. Man dachte an die toten Verwandten undFreunde, überhaupt an das launische Kriegsglück und das Losder Menschheit. Cäcina*) wurde vorausgesandt, die dunklen Wald-schluchten zu durchforschen, Brücken und Dämme über die feuch-ten Sümpfe und trügerischen Moorwiesen zu bauen. Dann ge-langte man an die traurige Stätte, die einen grauenvollen An-blick gewährte und so grauenvolle Erinnerungen barg. Der Um-fang, die Absteckung des Hauptplatzes, deutete bei dem erstenLager des Varus deutlich darauf hin, daß drei Legionen darangearbeitet hatten. An dem halb eingestürzten Wall und demflachen Graben erkannte man dann den Platz, an dem die bereitszusammengeschmolzenen Reste gelagert hatten. Mitten auf demFelde lagen bleichende Knochen, bald einzeln, bald haufenweise,je nachdem sie von Flüchtigen oder von einer noch kämpfendenAbteilung herrührten. Daneben zerbrochene Waffen und Pferde-gerippe; an den Bäumen waren Menschenschädel befestigt. Inden nahen Hainen standen die Altäre der Barbaren, .an denen mandieTribunen**) und dieCenturionen***) erstenRanges geschlachtethatte. Soldaten, die lebend aus jener Niederlage davongekommenwaren, die sich aus der Schlacht oder der Gefangenschaft hattenretten können, zeigten nun die Stellen, wo die Legionen in denStaub gesunken, wo die Adler verloren gegangen waren, woVarus die erste Wunde erhalten, wo der Unselige sich mit eige-ner Hand den Todesstoß versetzt hatte, von welcher Tribüne ausArminius zu seinem versammelten Heere gesprochen hatte, wieviel Galgen, was für Martergruben er für die Gefangenen hatteherrichten lassen and wie er im Hochgefühl seines Sieges über dieFeldzeichen und Adler gespottet hatte. So begrub das römischeHeer sechs Jahre nach dem unglücklichen Ereignis unter wach-sendem Ingrimm gegen die Feinde, Trauer und Haß im Herzen, dieGebeine der drei Legionen. Keiner wußte, ob er die ResteFremder oder die seiner Angehörigen mit Erde überdeckte. Mansah in allen Freunde und Blutsverwandte. Das erste Rasen-

*) In den Jahren 14 und 15 n. Ohr. verwaltete Cäcina, einrauher Krieger, Untergermanien.

**) Bei jeder Legion standen sechs Kriegstribünen, die eigent-lichen Anführer.

***) Anführer der Centurien, deren jeder Manipel zwei hatte.