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verleugnen. 1 Deshalb bitte ich in Demut Eure kaiserliche Majestät umBedenkzeit, damit ich, ohne das Gotteswort zu verletzen und meineSeele zu gefährden, die rechte Antwort auf die Frage geben möge.»
Darüber berieten die Fürsten. Ihren Beschluß gab der Trierer Offizialfolgendermaßen wieder: «Martin, obwohl Du aus dem kaiserlichen Befehlgenug hättest ersehen können, wozu Du berufen bist und deswegen keineweitere Bedenkzeit verdienst, bewilligt Dir doch die kaiserliche Majestätaus angeborener Gnade einen Tag zu Deiner Vorbereitung. Du sollstalso morgen um dieselbe Stunde wieder erscheinen, doch mit der Be-dingung, frei zu sprechen und keine schriftliche Erklärung vorzulegen.»
Verhör vom, 18. April. Am folgenden Tag, einem Donnerstag, nachvier Uhr nachmittags holte der Herold D. Martinus ab und geleiteteihn zum Hof des Kaisers, wo Luther wegen einer Sitzung der Fürstenbis um sechs Uhr warten mußte, in einer großen sich drängendenMenschenmenge.
Als der Reichstag die Plätze eingenommen hatte und Martin her-zutrat, brachte der Offizial folgendes vor:
«Martin Luther, die kaiserliche Majestät hat Dir diese Stunde be-stimmt, da Du ja die Bücher, die wir gestern aufzählten, öffentlich alsDein Eigentum anerkannt, dagegen auf die Frage, ob Du etwas davonfür irrig erklären oder alles aufrechthalten wollest, um Bedenkzeitgebeten hast. Diese ist nun zu Ende. Und von Rechts wegen hättestDu gar keinen Aufschub erhalten sollen, da Du lange genug wußtest,wozu man dich berief.» Das sagte der Offizial in lateinischer und deut-scher Sprache; auf lateinisch aber heftiger als auf deutsch.
D. Martinus antwortete ebenfalls lateinisch und deutsch, 2 und ob-schon demütig und bescheiden, doch nicht ohne christliche Leidenschaftund Festigkeit, so daß die Gegner wohl eine zerknirschtere Sprache ge-wünscht hätten. Sie warteten aber mit Begier auf einen Widerruf; dennaus der Bitte um Bedenkzeit hatten sie einige Hoffnung darauf geschöpft.
«Erhabenster Herr und Kaiser, durchlauchtigste Fürsten, gnädigsteHerren. Gehorsam erscheine ich zu der mir gestern Abend festgesetztenZeit, und um der Barmherzigkeit Gottes willen bitte ich Eure erhabensteMajestät und Eure durchlauchtigsten Herrlichkeiten um gnädiges Gehörfür meine Sache, die Sache der Gerechtigkeit und Wahrheit, wie ichhoffe. Und sollte ich in meiner Unerfahrenheit jemand nicht den ihmgebührenden Titel geben oder irgendwie gegen den höfischen Brauchsündigen, so bitte ich, es mir gütig zu verzeihen; denn nicht an Höfen,sondern in Mönchswinkeln habe ich mein Leben zugebracht und kannmir nichts bezeugen, als daß ich bisher in Einfalt des Gemütes alleindazu gelehrt und geschrieben habe, Gott zu preisen und die Christ-gläubigen wahrhaftig zu unterweisen.
Erhabenster Kaiser, durchlauchtigste Fürsten. Auf die beiden Artikel,die Eure geheiligte Majestät mir gestern hat Vorhalten lassen, ob ichdie genannten, unter meinem Namen verbreiteten Schriften als mein
‘Matth. 10,33. — 2 Die meisten Augenzeugen lassen Luther zuerst deutsch,dann lateinisch sprechen.