82
IV. Reformation und Gegenreformationin den außerdeutschen Staaten.
39. Die Bekehrung des Ignatius von Loyola, 1521.
Selbstbekenntnisse des Ignatius von Loyola, dein P. Gonzalezdiktiert. Spanisch in Mou. hist. S. J. M. Ignatiana, ser. IV, tom. I; in lateinischerÜbertragung im „Bollandist“, 1734, Juli, Bd. VII, S. 634 ff. übersetzt von AlfredMiller. Gekürzt.
*
Bis zu seinem 26. Jahre war Ignatius den Eitelkeiten dieser Weltergeben; namentlich aber hatte er Freude am Waffenhandwerk, getriebenvon einem großen, eitlen Verlangen, sich auszuzeichnen. Als daher beieiner Belagerung der Burg Pampelona 1 durch die Franzosen die Ein-geschlossenen einstimmig für die Übergabe waren, wenn man ihnen freienAbzug gewähre, wußte er beim Kommandanten so viele Gründe vorzu-bringen, daß dieser gegen die Meinung aller übrigen adeligen Herrensich überzeugen ließ und die Verteidigung weiterführte. Und ein solcherMut beseelte Ignatius, daß er durch seine feurige Begeisterung dieübrigen Adeligen mit sich fortriß. Als der Tag der Schlacht herannahte,beichteten er und einer seiner adeligen Waffengenossen, mit dem er oftdie Klinge gekreuzt, sich gegenseitig ihre Sünden. Auch nach dein Falleder Mauern hielt er aufs tapferste im Kampfe aus, bis ihm durch eineKanonenkugel das eine Schienbein völlig zerschmettert wurde.
Und da die Kugel zwischen seinen Beinen hindurchschlug, wurdeauch das andere schwer verletzt. So kam es, daß auch seine Mitkämpfer,als sie ihn fallen sahen, sich den Franzosen ergaben. Diese behandeltenihn nach der Einnahme der Burg gut und menschenfreundlich. Und nach-dem sie ihn 12—15 Tage lang zu Pampelona durch die besten Feld-ärzte in seinem besten Zimmer hatten pflegen lassen, wurde er in einerSänfte auf sein Schloß Loyola 2 gebracht. Als dort sein Befinden sichverschlimmerte, ließ man eine Reihe von Ärzten und Chirurgen aus ver-schiedenen Orten rufen. Die erklärten, das Bein müsse noch einmal ge-brochen werden, damit die verkehrt zusammengefügten Knochenteile indie richtige Lage gebracht werden könnten. Daher ließ Ignatius dieseQual noch einmal über sich ergehen, wobei er, wie bei allen früherenund späteren Schmerzen, keinen Ton von sich gab und kein anderesZeichen des Schmerzes, als daß er die Fäuste krampfhaft ballte.
Endlich aber schenkte ihm der Herr die Genesung; nur vermochteer nicht, auf dem einen Beine zu stehen und mußte daher noch das Betthüten. Und da er ein begieriger Leser jener weltlichen Fabelbücher war,die die Taten der Helden schildern,, so bat er, sobald es sein Zustand
1 In Navarra in Nordspauien, unweit der französischen Grenze, 1521.
2 Im Baskenlande.