Band 
Dritter Teil.
Seite
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Der Prinz von Spanien ist jetzt vierundzwanzigjährig. Er ist vonmittlerer Größe und schwächlicher Gesundheit und gleicht seinem Vaterin den Gesichtszügen. Er ißt nie Fisch und genießt überhaupt nur sehrschmackhafte Speisen. Obgleich seine Körperkraft nicht groß ist, hater doch während seines Aufenthalts in Flandern an den Übungen derHerren des Landes vielfach sich beteiligt und ist in ritterlichen Fertig-keiten ziemlich erfahren. Er möchte gerne freigebig erscheinen; seineFreigebigkeit ist aber derart, daß man sieht, er werde sie bald satthaben. Selten geht er in Gesellschaft aus; am liebsten bleibt er in seinemZimmer mit vier bis sechs Vertrauten und unterhält sich mit ihnen UberPrivatangelegenheiten. Bisweilen, wenn der Kaiser ihn rufen läßt, ent-schuldigt er sich, um in seiner Ruhe nicht gestört zu werden. Er kleidetsich reich und zierlich mit großer Sorgfalt. Er hält sehr darauf, daßman ihm Ehrfurcht bezeige: gegen jeden, er. sei wer er wolle, zeigter weit hochfahrenderes Wesen als sein Vater, was mit Ausnahme derSpanier keinen andern Untertanen behagen will. Sie haben wirklich recht:denn vom Kaiser sind sie’s gewohnt, daß er sich in andere Sitten undverschiedene Nationalitäten trefflich schickt, wie es denn den Anscheinhat, daß die Natur diesem die Fähigkeit verliehen, durch vertraulichleutseliges Wesen die Flamänder und Burgunder zu gewinnen, durchGeist und Klugheit die Italiener, durch Hoheit und Ernst die Spanier.Da sie nun- den Sohn so ganz anders sehen, empfinden sie darüber nichtgeringes Mißbehagen. Da der Kaiser ihn täglich zwei bis drei Stundenin seinem Gemach bei sich hat, teils um ihn in eigener Person zu unter-weisen, so soll er in wichtigen Staatsangelegenheiten viele Kenntnisseerlangt haben und noch größere Fortschritte verheißen. Aber des VatersGröße wie der Umstand, daß er selbst so hoch geboren ist und bishernie Mühsal noch Mißgeschick erprobt hat, wfird dem Prinzen stets imWege stehen, den Kaiser zu erreichen. Dies ist das Unglück der Über-glücklichen. Kommt der Prinz zur Regierung, so glaubt man, daß ersich ausschließlich spanischer Minister bedienen werde; denn dieser Nationist er ausschließlicher zugetan, als sich für einen schickt, der überverschiedenartige Völker herrschen soll. Wird er im Kriege oder in irgendeiner Verwaltungssache Italiener oder Flamänder gebrauchen, so kannman darauf rechnen, daß er’s nur aus Not tun wird, nicht aus Neigung,indem er den Spaniern gewiß den Vorzug geben würde, wenn er’s mitgleichem Vorteil tun könnte.

43. Kirchliche Zustände in Spaniengegen die Mitte des XVI. Jahrhunderts.

Francisco de Enzinas, Über die Zustände in Belgien und die Religionin Spanien. Nach der Übersetzung aus dem Lateinischen von Hedwig Böhmer,Francisco de Enzinas. Denkwürdigkeiten vom Zustand der Niederlande und vonder Religion in Spanien, Privatdruck, 1893, S. 154-157, 187—191.