142
Ungarn, Kroaten, Polacken, Heiducken 1 2 , Italienern, Hispaniarden, Fran-zosen, Wallonen, Nieder- und Oberdeutschen usw. liier eingelassen. Da istes geschehen, daß die Stadt mit allen ihren Einwohnern in die Händeund Gewaltsamkeit ihrer Feinde geraten, die denn alle heftig und grau-sam, teils aus gemeinem Haß gegen die augsburgischen Konfessions-Ver-wandten, teils daß man mit Drahtkugeln geschossen und sonst etwa vonden Wällen, wie es zu gehn pflegt, gesehmälet, erzürnt und erbittert ge-wesen. Da ist nichts als Morden, Brennen, Plündern, Peinigen, Prügelngewesen. Insonderheit hat ein jeder von den Feinden nach vieler undgroßer Beute gefraget. Wenn dann eine solche Partei in ein Haus ge-kommen und der Herr etwas zu geben vermocht gehabt, hat er sich unddie Seinigen so lang salvieren und erhalten können, bis eine andere, dieauch was haben wollen, wieder angekommen. Endlich aber, wenn es alleshingegeben und nichts mehr vorhanden gewesen, alsdann ist die Not erstangegangen. Da haben sie angefangen zu prügeln, ängstigen, gedrohet zuerschießen, spießen, henken usw., daß, wenn’s gleich unter die Erde ver-graben oder mit tausend Schlössern verschlossen gewesen, die Leutedennoch hervorsuchen und herausgeben müssen. Unter welcher währendenWüterei dann, und da diese so herrliche, große Stadt, die gleichsam eineFürstin im ganzen Lande war, in voller brennender Glut und solchemgroßen Jammer und unaussprechlicher Not und Herzeleid gestanden, sindmit gräulichem, ängstlichem Mord- und Zetergeschrei viel tausend un-schuldige Menschen, Weiber und Kinder, kläglich ermordet und auf vieler-hand Weise erbärmlich hingerichtet worden, also daß es mit Worten nichtgenugsam kann beschrieben und mit Tränen beweint werden.
Es hat aber diese trübselige Zeit nicht viel über zwei Stunden langin der Stadt gewähret, indem durch den unversehens zustoßenden Winddas Feuer, so zwar anfangs der Graf von Pappenheim den Bürgern undEinwohnern zur Perturbation und Schrecken einzulegen solle befohlen 3 ,nachmals aber die gemeine Soldatesque hierin keine Diskretion und Auf-hören gewußt haben, dergestalt überhand genommen, daß um zehn Uhrvormittags alles im Feuer gestanden und um zehn Uhr gegen die Nachtdie ganze Stadt, zusamt dem schönen Rathause und allen Kirchen undKlöstern, völlig in der Aschen und Steinhaufen gelegen. Daher denn daskaiserliche Kriegsvolk, wenn es nicht selbst verbrennen wollen, wiederumaus der Stadt entweichen und sich in seine Feldlager retirieren müssen.
Also hat man diese weitberühmte, vornehme Stadt und Zierde desganzen Landes in einem Tage in Feuer und Rauch aufgehn und ihreübrig gebliebenen Einwohner mit Weib und Kindern gefangen vor demFeinde hintreiben gesehen, daß das Geschrei, Weinen und Heulen garweit ist gehört und die Lohe und Asche von der Stadt bis in Wanzleben,Egeln und weitere Orte durch den Wind verführet worden.
1 Heiducken oder Haiduken sind ungarische, für Sold angeworbene Fuß-
truppen. In Ungarn versahen sie den Wachtdienst gegen die Türken.
3 Aus militärischen Gründen hat Pappenheim einige Häuser anzünden lassen;die neuere Forschung neigt aber dahin, den Brand im übrigen als unbeabsich-tigte Folge der Plünderung durch die Sieger aufzufassen.