sehen lassen sollten, bei Strafe von hundert Rubeln für jegliches Mal,daß man wider diesen Befehl handelte; bloß die Kosaken, Kalmückenund Tataren waren ausgenommen.
Nächstdem erteilte er eine Verordnung wegen der Freiheit des Um-ganges und des freien Zutritts zum Frauenzimmer, welches vorher allesamtso genau eingeschränkt geblieben war, daß es nicht einmal ihren nächstenAnverwandten erlaubt gewesen, sie zu sehen, außer in Gegenwart desMannes, und dieses noch dazu nur bei außerordentlichen Gelegenheiten.Diese Freiheit' in Aufnahme zu bringen, stellte er öffentliche Schauspiele,Konzerte, Bälle und andere der gesitteten Welt gebräuchliche Lustbar-keiten an. An diese neue Mode gewöhnten sich sowohl die verheiratetenals auch die unverheirateten Frauenzimmer gar bald, und die Wahrheitzu sagen, so wurde dadurch eine gewisse barbarische Gewohnheit völligabgeschafft. Sie bestand darin: wenn ein junger Herr willens war, sichzu vermählen, so wurde die Heirat allemal von den Eltern geschlossen,und von dem jungen Ehepaar bekam keines das andere eher zu sehen,als an der Hochzeit. Mithin konnte die Braut blind oder lahm und manch-mal beides zugleich sein, ohne daß es der Bräutigam wußte. Ich habeetliche Beispiele dieser Art gekannt, wodurch viele ihrer Ehen höchstunglücklich ausgeschlagen waren. Der Zar hielt dies für grausam undwollte also haben, daß die Parteien einander besuchen und nach derWeise, wie er es bei andern Nationen, unter denen er herumgereist war,gesehen hatte, miteinander umgehen sollten, damit sich ein Teil demandern gefällig machen könnte.
Viele von den alten Leuten kränkten sich ungemein über dieseNeuerungen; aber es half nichts. Diejenigen, die sich ihr Mißvergnügendarüber zu sehr merken ließen, waren sicher, daß sie ganz gewißzu solchen Gelegenheiten gerufen und dabei zu erscheinen gezwungenwurden, so daß keine Entschuldigung galt, als Krankheit. Und wenn esherauskam, daß diese erdichtet gewesen, so wurden sie nach ihremStande oder Vermögen hart mit Geld bestraft. Anfangs sahen die Frauen-zimmer in ihrer neuen Tracht sehr tölpisch aus, besonders wenn sie sichschnürten. Denn sie waren gewohnt gewesen, große weitfliegende Röckezu tragen, die ihnen bis auf die Fersen heruntergingen; aber in kurzemwurde ihnen die Veränderung zur Gewohnheit, und es kleidete sie sehrwohl.
Binnen wenigen Jahren wurde diese Nation völlig umgewandelt,und zwar gar sehr nach dem Geschmack des jungen Volkes. Nunmehrfingen die Ausländer an, sich unter den Landeskindern zu verheiraten;und der Zar selbst gab ihnen ein Beispiel, indem er zuvörderst seinenSohn, den Zarewitsch, mit einer Prinzessin von Wolfenbüttel, nächstdemauch seine Nichte Anna, die nachmalige Kaiserin, an den Herzog vonKurland, und ihre älteste Schwester Katharina an den Herzog vonMecklenburg vermählte, ohne die verschiedenen Meinungen wegen derReligion in Betracht zu ziehen. Zu gleicher Zeit führte er auch Hand-werker und Manufakturen ein. Man hatte zwar schon seit langer Zeitin Rußland ziemlich gute Leinwand verfertigt; nunmehr aber haben esdie Russen auch in ihrer Wollenmanufaktur sehr weit gebracht. Sie machen