Band 
Dritter Teil.
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hat, große Güter durch sein ganzes weitläufiges Reich, die ihm eigen-tümlich zugehören, und die von diesen Beiträgen und Lieferungen nichtausgenommen sind. Dabei werden die Leute am wenigsten gedrückt,indem es ein Teil der Pflicht des Statthalters ist, die Steuern ein-zuheben und dafür zu stehen; er muß auch Sorge tragen, jedermanngleiche Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Der große Kaiser forschtebinnen wenigen Jahren bis auf einen Heller aus, wie hoch sich seinesämtlichen Einkünfte beliefen und wie dieselben angewendet würden.Für seine Person machte er wenig oder keinen Aufwand; und da ermehr wie ein Privatedelmann lebte, als wie ein Prinz, so ersparte eralle die großen Unkosten, die andere Monarchen aufwenden, den Glanzihrer Höfe zu unterhalten. Es war ihm ungelegen, in seiner Majestätzu erscheinen, und er tat dieses auch selten oder niemals, außer wo esschlechterdings notwendig war, so wenn er den Abgesandten Audienzerteilte oder in ähnlichen Fällen. Mithin genoß er alles Vergnügen einesgroßen Kaisers, und zugleich das Glück eines Privatedelmannes.

Er liebte Gesellschaft und war ein Herr von aufgeräumtem undlustigem Wesen, überaus scherzhaft und von großem natürlichem Witze.Er besaß keine gelehrte Kenntnis; er konnte bloß lesen und schreiben,hatte aber eine große Hochachtung für die Gelehrsamkeit und gab sichviele Mühe, diese in seine Lande einzuführen. Er stand früh auf. DenMorgen wendete er auf Geschäfte bis zehn oder längstens auf elf Uhr;den Überrest des Tages aber und einen großen Teil der Nachtbrachte er mit Zeitvertreib und Vergnügen zu. Seine Flasche trank ervon ganzem Herzen, und so mußte es die ganze Gesellschaft machen.Denn wenn er selbst vergnügt war, sah er gern jedermann so, wiewohler dessen unerachtet keinen Säufer von Profession leiden konnte, weiler dergleichen Leute für untüchtig zu Geschäften hielt.

Wenn er einen guten Freund besuchte, so pflegte er fast die ganzeNacht da zu bleiben, und ließ sich nicht einfallen, eine gute Gesellschaftzu verlassen, bis nach zwei Uhr des Morgens. Er hielt niemals Wache umseine Person, ließ sich auch von nicht mehr als fünf bis sechs Personenaufs höchste begleiten.

Er war ein mehr sparsamer als freigebiger Fürst; doch verstander sehr wohl, seine Gnadenbezeugungen zu rechter Zeit anszuteilen undsie mit guter Art anzubringen. Er konnte niemals große Umstände leiden,sondern' sah es gern, wenn man freimütig und offenherzig mit ihm sprach.Wenn er einige Achtung für jemand hatte, so schlug er' dessen Ein-ladung niemals aus; nur mußte man ihn ersuchen, daß er selbst bestimmte,wann er Zeit hätte, damit er Sieh nicht anders wohin verspräche.

Als der König August 1 und der Zar beisammen waren, verrichtetensie ihre Geschäfte früh morgens, und des Nachmittags sorgten sie bloßfür ihr Vergnügen. Während sich der König öfters in Gesellschaft desFrauenzimmers und seiner Weinflasche belustigte, die er sehr wohl ver-tragen konnte, faud sich der Zar nicht selten bei seinen Lustbarkeiten

1 August II., der Starke, Kurfürst von Sachsen 1694—1733 und seit 1697auch König von Polen.

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