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132. Zu Spinozas religiösen Anschauungen, 1670.
Baruch Spinoza, Tractatus theologico-politicus, Kap. VI, XIV.Übersetztvon J. Stern. — Vgl. Nr. 131.
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A. Über die Wunder.
Es geschieht in der Natur nichts, was mit ihren allgemeinen Gesetzenin Widerspruch steht, aber auch nichts, was mit ihnen nicht überein-stimmte oder aus ihnen nicht folgte. Denn alles, was geschieht, geschiehtdurch den Willen und ewigen Ratschluß Gottes, das heißt wie gesagt,alles, was geschieht, geschieht nach Gesetzen und Regeln, welche ewigeNotwendigkeit und Wahrheit in sich schließen. Die Natur beobachtetdiese Gesetze und Regeln, welche ewige Notwendigkeit und Wahrheitin sich schließen, obgleich sie uns nicht alle bekannt sind, dennoch immer,und hält daher eine feste und unveränderliche Ordnung ein. Nie wirdein gesunder Verstand auf den Gedanken kommen, der Natur eine be-schränkte Macht und Kraft beizulegen und von ihren Gesetzen zn be-haupten, sie seien nur für einzelnes, nicht aber für alles passend. Dennwenn die Macht und Kraft der Natur die Macht und Kraft Gottes selbstist, die Gesetze und Regeln der Natur aber die göttlichen Beschlüsse selbst,so müssen wir durchaus annehmen, daß die Macht der Natur unbegrenztist und ihre Gesetze so umfassend sind, daß sie sich selbst auf alles,was auch vom göttlichen Denken selbst erkannt wird, erstrecken. Dennwas anderes müßte man sonst annehmen, als daß Gott die Natur so ohn-mächtig geschaffen und ihr so dürftige Gesetze und Regeln gegeben hat,daß er ihr häufig von neuem zu Hilfe kommen muß, wenn er sie erhaltenund die Dinge nach seinem Wunsch geschehen lassen will; eine gewißhöchst unvernünftige Annahme.
Daraus aber, daß in der Natur nichts geschieht, was nicht ausihren Gesetzen folgt, daß ihre Gesetze auf alles, was auch vom gött-lichen Denken selbst erkannt wird, sich erstrecken, und daß die Natureine feste, unwandelbare Ordnung einhält, folgt aufs klarste, daß dasWort Wunder nur in Bezug auf die menschliche Einsicht einen Sinn hatund nichts anderes bezeichnet als ein Werk, dessen natürliche Ursachewir nicht durch das Beispiel eines anderen bekannten Dinges erklärenkönnen, oder daß wenigstens der es nicht kann, der es als Wunder be-schreibt oder erzählt.
B. Glaubenssätze.
a) Es gibt einen Gott oder ein höchstes Wesen, dashöchst gerecht und barmherzig oderdas Muster einesrechten Lebens ist. Denn wer nicht weiß oder nicht glaubt, daßes ein solches Wesen gibt, der kann ihm auch nicht gehorchen und esnicht als Richter anerkennen.
b) Dieser Gott ist einzig. Daß auch dieser Glaubenssatz zurhöchsten Ergebenheit, Bewunderung und Liebe Gottes unbedingt erfor-