Band 
Dritter Teil.
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länglich geschickt sind, das Gute von dem Bösen richtig zu unterscheiden,durch Regeln, welche seinen Leidenschaften schmeicheln, verdorben werde.

Aber wenn es verwerflich ist, die Unschuld einer Privatperson zuverführen, die nur geringen Einfluß auf die Welthändel hat, so ist esweit schädlicher, wenn man Fürsten verführt, welche Völker regieren,die Gerechtigkeit verwalten, davon ihren Untertanen ein Beispiel geben,und durch ihre Güte, Großmut und Barmherzigkeit lebende Ebenbilderder Gottheit sein sollen.

Die Überschwemmungen, die Länder verwüsten, der Blitz, der Städteeinäschert, die Pest, die Provinzen entvölkert, sind auf der Welt nichtso schädlich wie die gefährliche Moral und die unbändigen Leidenschaftender Könige. Die Plagen des Himmels dauern nur eine gewisse Zeit, sieverwüsten nur einige Gegenden; die Laster der Könige aber schadenviel länger und ganzen Völkerschaften.

So wie die Könige die Macht haben, Gutes zu tun, wenn sie wollen,ebenso haben sie auch die Gewalt, Böses zu tun, wenn sie es beschlossenhaben; und wie bejammernswürdig ist nicht der Zustand der Untertanen,wenn sie alles von dem Mißbrauch der höchsten Gewalt zu befürchtenhaben, wenn ihr Vermögen der Habgier des Fürsten, ihre Freiheit seinenLaunen, ihre Ruhe seiner Ehrsucht, ihre Sicherheit seiner Treulosigkeitund ihr Leben seiner Grausamkeit ausgesetzt ist? Dieses ist das traurigeBild eines Staats, in welchem ein Fürst nach dem von Machiavelli ge-gebenen Muster herrschen würde. —

Es gibt sonderbare Maler, die nichts als Ungeheuer und Teufelgemalt haben. Machiavelli ist ein Maler dieser Art. Er stellt die Weltals eine Hölle dar und alle Menschen als Verdammte. Man möchte sagen,dieser Staatsmann habe das ganze menschliche Geschlecht aus Haß gegendieses verleugnen wollen und sich vorgenommen, die Tugend zu ver-nichten, vielleicht deswegen, damit alle Bewohner der Erde ihm ähnlichwerden möchten. Er behauptet, es sei nicht möglich, in einer so bösenund verderbten Welt ganz und gar gut zu sein, wenn man nicht um-kommen wolle. Ich aber behaupte, damit man nicht umkomme, müsseman klug und tugendhaft sein.

Die Gerechtigkeit muß das vornehmste Augenmerk eines Fürstensein: die Wohlfahrt seines Volkes leitet er und muß sie jedem andernMutzen vorziehen. Wo bleiben alsdann die Vorstellungen von Privat-nutzen, Hoheit, Ehrgeiz und unumschränkter Gewalt? Es ergibt sich:Der Fürst ist keineswegs ein unumschränkter Herr der Völker, die unterseiner Botmäßigkeit stehen. Er ist unter ihnen vielmehr nichts anderesals erster und oberster Diener.

Das kostbarste Pfand, das einem Fürsten anvertraut worden, istdas Leben seiner Untertanen. Sein Amt gibt ihm Gewalt, den Verbrecherzum Tode zu verurteilen oder zu begnadigen. Er ist der höchste Richter.Ein guter Fürst betrachtet diese Gewalt als die schwerste Last seinerKrone; er weiß, daß es Menschen sind wie er, die er verurteilen soll.Er weiß, daß Kränkung, Ungerechtigkeit, Beleidigung auf dieser Weltwieder gut gemacht werden kann, daß aber ein übereiltes Todesurteilein unverbesserbares Übel sei. Er gebraucht die Strenge nur, um eine