Band 
Dritter Teil.
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kum beim Anhören dieser läcnerlichen, der Wilden von Kanada würdigenFarcen vor Freude außer sich ist. Ich nenne diese so. weil sie gegenalle Regeln des Dramas sündigen 1 . — Aber da erscheint nun im «Götzvon Berlichingen» auf der Bühne eine abscheuliche Nachahmung jenerschlechten englischen Stücke, und das Parterre klatscht Beifall und ver-langt begeistert die Wiederholung dieser abgeschmackten Plattheiten 2 . ..

Erst seit kurzem wagen es unsere Gelehrten, in ihrer Muttersprachezu schreiben und schämen sich nicht mehr, Deutsche zu sein. Sie wissen,daß es noch nicht lange her ist, daß das erste Wörterbuch der deutschenSprache erschien 3 ; ich erröte, daß ein so nützliches Werk mir nicht umein Jahrhundert vorausgeeilt ist. Indessen beginnt man zu merken, daßeine Veränderung in den Geistern im Anzuge ist: der Nationalr’hmläßt sieh vernehmen; man strebt darnach, sich auf gleiche Höhe mitseinen Nachbarn emporzuschwingen, man will sich Wege zum Parnaßbahnen; wer ein feines Gefühl hat, merkt es bereits. . . .

Verschiedene Hemmnisse haben uns gehindert, so rasch wie unsereNachbarn vorwärts zu kommen; indes, wer zuletzt kommt, übertrifft zu-weilen die Vorgänger. Das kann bei uns schneller eintreten, als manmeint, wenn die Fürsten an der Literatur 4 Geschmack finden, wenn siediejenigen, die sich mit ihr beschäftigen, fördern, indem sie die bestenLeistungen loben und belohnen. Lassen Sie uns Mediceer haben, und wirwerden Genies erblühen sehen. Wir werden unsere klassischen Schrift-steller haben; jeder wird sie zu seinem Nutzen lesen wollen; unsereNachbarn werden Deutsch lernen, die Höfe werden es mit Vergnügensprechen; und es kann geschehen, daß unsere verfeinerte und ausgebildeteSprache, um unserer guten Schriftsteller willen, von einem Ende Europasbis zum anderen dringt. Diese schönen Tage unserer Literatur sind nocnnicht gekommen, aber sie nahen. Ich kündige sie an, sie sind im Anzuge;

1 Eine Wandertruppe führte in Berlin Othello, Hamlet, Macbeth und Lear auf.Jakoby schreibt in seiner Schrift: Friedrich der Große und die deutsche Literaturunter anderm: „Hätte doch Friedrich Leasings Hamburgische Dramaturgie gelesen!“

- Goethes Götz wurde in Berlin 1774 zum erstenmal aufgeführt. Goethesagt zn obiger Stelle: „Wenn der König meines Stücks in Unehren erwähnt,ist es mir nichts Befremdendes. Ein Vielgewaltiger, der Menschen zu Tausendenmit einem eisernen Szepter führt, muß die Produktion eines freien ungezogenenKnaben unerträglich finden.“

3 Adelung, Versuch eines vollständigen grammatisch-kritischen Wörter-buchs der hochdeutschen Mundart.

4 Man vergleiche mit den Urteilen Friedrichs dasjenige Katharinas II.Sie schrieb 1781 nach der Lektüre von Tiiümmels „Wilhelmine“ und Nicolais„Sebaldus Nothanker“: ... „Ich habe in diesem Frühjahr deutsche Bücher ge-lesen, die mir sehr gefallen haben. 0, wie gut doch Deutsch geschrieben wird,trotz aller Tadler der deutschen Literatur. Wetter, die Deutschen habeji ge-lernt mit ihrer Sprache umzugehen wie Voltaire, und ich glaube, Gott verzeihemir, er hat sie schreiben gelehrt. — Wenn ich viel solche deutsche Bücherfinde, so werde ich mir eine deutsche Bibliothek zulegcn, mit Verlaub Seinerpreußischen Majestät, der die deutsche Literatur so schlecht gemacht hat“.