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werden, welches alles eine große Remedur noch erfordern wird. Jedochnehme ich von diesfälligen Maßregeln das Königreich Ungarn ans, wowegen der Religion noch viel Gutes zu bewirken wäre.
Auf die übermäßige Begünstigung des Adels hinweisend, fährt die Kai-serin fort:
Bei meinen Vorfahren erhielten die Minister große Regalien von denKaisern selbst und von den Ländern, weil sie nicht allein der Milde,der Gnade und österreichischen Munifizenz* gar einschmeichelnd, sich zubedienen gewußt, sondern weil sie nebst der Geistlichkeit allein das Ohrdes Landesfiirsten besaßen, weshalb sie alles erlangten, was sie nur be-gehrten. Auch hat sich ihre Macht so weit erstreckt, daß sie in denLändern mehr gefürchtet und verehrt wurden als selbst der Monarch.Und da endlich die Mittel der Landesfürsten sich verringerten, so habensich derlei Minister, um sich remunerieren 2 zu lassen, an die Länder ge-wendet, woraus sodann ihr übergroßes Gewicht erwuchs. Es konnte denMinistern unmöglich an Ansehen und Kredit gebrechen, weil jeder indem ihm zugeteilten Departement wie der Kaiser selbst regierte. Darumhatten die Minister in fast allen Ländern die Stände völlig zu ihrerfreien Verfügung, indem jeder Minister, der einem Lande Vorstand, dortgewöhnlich am stärksten begütert war, mithin in der Versammlung derStände das höchste Ansehen besaß. Wollte nun der Landesfürst zumUnterhalt seiner Armeen und zur Rettung des Staates die erforderlichenSubsidien von den Ländern erhalten, so mußte er notgedrungenerweiseden Ministern, die allein ihm solches zu verschaffen vermochten, die vonihnen verlangten Vorteile auch wirklich gewähren. Gewiß ist, daß inkeinem Lande die Stände ihre Freiheiten jemals so sehr betont habenwürden, wenn sie nicht von den Ministern, deren Autorität und Ansehenlediglich davon abhing, darin kräftigst unterstützt worden wären, woranaber hauptsächlich der Hof selber die Schuld trug.
Diese Minister haben den bei dem Landesfürsten erworbenen Kreditauch dahin angewendet, um jenes Land, dem sie vorgesetzt und in dem siebegütert waren, dermaßen zu begünstigen, daß die andern Erblande da-durch 1 bedrückt und gleichsam angesehen wurden, als wenn sie fremdeLänder wären und nicht einem und demselben Herrscher gehörten.
Der unter den Ministern allzeit vorwaltende Neid, die Mißgunst unddie Verleumdungen haben zu den schädlichsten Entzweiungen, folglichzu unheilbarem Nachteil Anlaß gegeben, wodurch die heilsamsten Maß-regeln unterbrochen, die erteilten Ratschläge aber meistens von unzähligeneigensinnigen Vorurteilen begleitet wurden, so daß dadurch der Landes-fürst mehrmals in die äußerste Verlegenheit geriet. Und gleich wie manviele meiner Vorfahren eines allzulangsamen Verfahrens und der Un-entschlossenheit in den Landes- und Staatsgeschäften beschuldigte, solag die wahre Ursache hiervon nur in dem unter den Ministern stets be-stehenden Zwiespalt und der hartnäckigen Verteidigung der eigenen Mei-nung, wodurch natürlich ein Monarch um so unschlüssiger werden muß,als er seine persönliche Ansicht auch für eine irrige halten kann. Diese
1 Freigebigkeit. — * entschädigen, belohnen.
Flach u. Guggenbübl, Quellenbuch III
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