Band 
Dritter Teil.
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denken ist. Daher war schon seit dem Dresdener Frieden mein einzigesTrachten, mich von der Lage der Länder und ihrer Leistungsfähigkeitzu unterrichten und die überall eingerissenen Mißbräuche, die alles indie ärgste Verwirrung gebracht, zu ergründen.

157. Maria Theresia über die erste Teilung Polens, 1772.

Preuß, Friedrich der Große. — Von Arneth, Briefe der Kaiserin MariaTheresia. — Nach L. Sevin, Quellenbuch, B,d. IX, S. 31.

*

A. An den Reichskanzler Fürsten Kaunitz.

Als alle meine Länder angefochten wurden, steifete ich mich aufmein gutes Recht und den Beistand Gottes. Aber in dieser Sache, wonicht allein das offenbare Recht himmelschreiend wider uns ist, muß ichbekennen, daß ich mich zeitlebens nicht so beängstigt gefunden und michsehen zu lassen schäme. Bedenke der Fürst, was wir aller Welt für einExempel geben, wenn wir um ein elendes Stück von Polen unsere Ehreund Reputation in die Schanze schlagen! Ich merke wohl, daß ich alleinbin und nicht mehr en vigueur; darum lasse ich die Sachen, jedoch nichtohne meinen größten Gram, ihren Weg gehen *.

B. An Erzherzog Ferdinand . 1 2

Firmian 2 wird ein großes Schreiben und politische Weisungen überunsere gegenwärtige Lage erhalten, . . . besonders über diese unglück-selige Teilung Polens, die mich zehn Jahre meines Lebens kostet. Duwirst daraus den ganzen unglücklichen Verlauf dieser Angelegenheit er-sehen. Wie lange habe ich mich gesträubt! Aber die sich Schlag aufSchlag folgenden Unfälle von seiten der Türken, die Aussichtslosigkeit,weder von Frankreich noch von England Hilfe zu erlangen, und dieBesorgnis, allein einem Kriege gegen Russen und Preußen ausgesetztzu sein, und dazu das Elend, die Hungersnot, die Sterblichkeit in meinemeigenen Lande: — das alles hat mich genötigt, endlich auf diesen un-seligen Vorschlag einzugehen, der einen Flecken auf meine ganze Re-gierung wirft. Wolle Gott, daß ich nicht dereinst in der andern Weltnoch dafür zur Verantwortung gezogen werde! Ich gestehe, ich würdeüber diesen Punkt nie zu Ende kommen; so sehr liegt er mir am Herzen,verfolgt mich und vergiftet meine ohnedies nur zu traurigen Tage.Ich muß kurz darüber hinweggehen, um mich darüber nicht zu sehr zuerregen und nicht in die tiefste Melancholie zu versinken.

1 Auf den Entwurf des Teilungsprojektes soll Maria Theresia die Wortegesetzt haben: Placet, weil so viele große und gelehrte Männer es wollen; wennich aber schon längst tot bin, wird .man erfahren, was aus dieser Verletzungvon allem, was bisher heilig und gerecht war, hervorgehen wird.

s Ferdinand, ein Sohn der Kaiserin, war Statthalter in Mailand und GrafFirmian daselbst bevollmächtigter Minister.