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Der Tag daräuf sollte noch weit kritischer nnd entscheidenderwerden . . . Gegen sieben Uhr morgens machte sich der Pöbel auf, begabsich aufs Schloß und stürzte sich, entweder weil in diesem Augenblickeder Verwirrung und Anarchie die Posten schlecht besetzt waren oderweil man ihnen keine Gewalt entgegenzusetzen und auf sie zu feuernwagte, in die Galerie und bis in die Zimmer. Das Volk hatte es auf dieKönigin abgesehen, es warf ihr die Sünden der Hofpartei, ihre Ver-schwendung und Haß gegen die Franzosen vor . . . Weiber, mit Messernbewaffnet, gingen voran und ermunterten die Folgenden. Sie traten inden Saal der Leibwache der Königin und gingen gerade auf das Zimmerzu, in dem die Königin noch schlief. Die wachehabenden Gardisten wolltendiese Tür verteidigen. Das Volk umringte sie und griff sie an; die Ban-diten mit langen Piken drangen auf sie ein und verwundeten einige.Die Gardisten parierten die Hiebe mit ihren Degen und Bajonetten;aber durch die Menge überwältigt, widerstanden sie nur mit Mühe undwurden jeden Augenblick weiter zurückgetrieben. Da sie fast unterlagen,gaben sie Feuer, das die andere Partei erwiderte. Man hörte von beidenSeiten Flintenschüsse. Das Blut rieselte sogar an der Tür der Königin.Der Tumult, das Geschrei, die Schüsse weckten diese unglückliche Fürstinauf. Voll Entsetzen sprang sie aus dem Bette, suchte sich im Hemd undhalb nackt zu retten und lief in das Zimmer des Königs. Kaum war sieaus ihrem Zimmer, so zerbrach die Tür und fiel unter den verdoppeltenSchlägen der Wütenden, welche die Königin suchten, ein. Sie floh weiterund hörte noch die Weiber wütend ausrufen: «Sie hat den Staat ver-raten, man muß sie hängen, man muß sie hängen!» . . .
Auf diese schreckensvolle, blutige Szene folgte bald ein lachenderesGemälde . . . Die Luft hallte wider von lauten Ausbrüchen des Beifallsund der Freude. Während dieser allgemeinen Zufriedenheit riefen dieWeiber, die sich zunächst am Schlosse und vorzüglich auf den Höfen be-fanden, sehr vernehmlich: «Es lebe der König, nach Paris! Es lebeunser guter König ! Komm nach Paris, guter König! Vater, komm nachParis und verlaß deine Kinder nicht mehr!» Darauf wiederholte die Mengedraußen und auf dem Platze diese Worte: «Nach Paris, unser guterKönig! Nach Paris, guter König!» Und da man der Gewalt der Wünschevon 30 000 Menschen nicht widerstehen konnte, so erschien der Königauf dem Balkon, und mit einer Miene voll Güte und wirklich rührenderOffenheit sagte er: «Meine Kinder, ihr wollt, daß ich euch nach Parisfolge; ich will’s tun, aber mit der Bedingung, daß ich mich nicht vonmeiner Gattin und meinen Kindern trenne.» Darauf hörte man von allenSeiten: «Ja, ja, ja!» und zum ersten Male: «Es lebe die Königin!»Sogleich schickte sich alles zur Abreise an, und um das Zeichen dazuzu geben und die allgemeine Freude weitherum zu verbreiten, wurdeeine Generalsalve aus dem großen und kleinen Geschütze gegeben. Eswar zwei Uhr, als der König mit der Königin, dem Kronprinzen, seinerSchwester und seinem Bruder in den Wagen stieg. Der Zug gingsehr langsam, und sie kamen erst um sieben Uhr bei der neuen Barrierevon Passy oder vielmehr bei dem Triumphbogen an, den man an ihreStelle gesetzt hatte. Eine unzählige Menge von Menschen war auf den