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Straßen. Bürger und Neugierige jeden Alters und Geschlechts, von einemso neuen und außerordentlichen Schauspiele herbeigezogen, bildeten vonPassy an bis zum Rathause eine doppelte Reihe. Die Armee, die Ar-tillerieziige und ein Teil der Weiber, auf den Kanonen sitzend, eröffnetenden Marsch. Hierauf folgten fünfzig Wagen mit Mehl und Korn, diedas Volk in den verschiedenen Magazinen zu Versailles gefunden undweggenommen hatte. Diese Wagen gingen den königlichen unmittelbarvoran. Ein zahlreiches Korps Bürgerkavallerie, mit Weibern und Ab-geordneten untermischt, umgab den König und die Wagen des Hofs.Darauf folgten, in buntem Gemisch zu Fuß und zu Pferde, das RegimentFlandern, die Fischweiber, die Dragoner, die Gardes du corps, die Ban-diten, die Hundertschweizer 1 und die Mädchen. Um die Mehlwagen herumsah man die Heldinnen der Halle zerstreut, mit grünen Zweigen in denHänden; ihre unerschrockenen Begleiter trugen große Baumzweige, diemit Kornähren behangenen Lanzen waren mit Laub geschmückt, und dieganze Reihe hinunter trug jedes ein Bajonett und ein Brot und jedePike einen Lorbeerzweig. Dieser Wald von Bäumen, mit vielen Flintenund Piken untermischt, schien sich- durch eine unsichtbare und magischeKraft langsam von Versailles wegzubew-egen, um in das ausgehungerteParis Mehl, Korn und Überfluß auszuschiitten. Die ganze Menge erfülltedie Luft mit ihrem Geschrei und ihren Gesängen. Die Weiber, die vordem Wagen des Königs hergingen, sangen schmutzige Gassenlieder,wandten sich boshaft lachend zur Königin und machten allerlei An-spielungen auf sie. Darauf zeigten sie mit der einen Hand der in denStraßen versammelten Menge die Mehlwagen, und mit der anderen wiesensie auf den Monarchen und seine Familie und sagten: «Gutes Muts,Freunde, es wird uns nicht mehr an Brot fehlen, wir bringen euch denBäcker, die Bäckerin und den Meistergesellen!»
9. Mirabeaus politisches Glaubensbekenntnis, 10. Mai 1790.
Ad. de Bacourt, Correspondance entre le comte de Mirabeau et lecomte de La Marek pendant les annees 1789, 1790 et 1791, Bd. I, 1851, S. 318 f.Deutsch bei Franz Leppmann, Mirabeau, der Führer der Französischen Re-volution, S. 200 ff.
Dieses für Ludwig XVI. bestimmte Schreiben bildete den Anfang und dieGrundlage des Verhältnisses zwischen Mirabeau und dem Hofe.
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Tief gerührt von den Bedrängnissen des Königs, der am wenigstensein persönliches Unglück verdient hat, überzeugt, daß, wenn es in seinerLage einen Fürsten gibt, auf dessen Wort man vertrauen kann, dieserFürst Ludwig XVI. ist, bin ich dennoch durch die Menschen und durchdie Ereignisse gegen die Rührung, die aus dem Schauspiele menschlicherUnglücksfälle hervorgeht, so sehr gewappnet, daß ich eine nnüberwind-
1 Cent-Suisses, eine 1481 von Lndwig XI. zum Schutze des Königs ge-schaffene Infanterietruppe.