Band 
Vierter Teil.
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ihn der Beifall seiner wütenden Zuhörer umjauchzte, desto hämischerund meuchelmörderischer wurden die Hiebe seiner Beredsamkeit. Wirklichzeigte er kein gemeines Talent; ich hatte nie so viel, aber auch nie soviel Tücke in ihm vermutet; ich stampfte und fluchte, als am Ende derBede die Furcht geäußert wurde, daß nicht die Rottierer, sondern die,die davon zu reden wagten, gehangen werden durften. Wer die Taktikdieser Herrn kennt, weiß, was dergleichen Äußerungen bedeuten; auchhaben die Beleidigungen, so Mirabeau den folgenden Tag auf der Terrasseder Feuillants 1 erfuhr, bewiesen, wie leicht sich Lameths Furcht hätterealisieren können.

Ich glaubte, die ganze Feindseligkeit seiner Absichten durchschaut,die ganze Schwärze des Hasses, der Gift auf die löblichsten Handlungengoß, gesehn zu haben. Seine Grausamkeit und der ungestüme Jubel desgrößten Teils der Versammlung hatten mich auf einige Tage krank ge-macht, und bei dem neuen Unwillen, der mich ergriff, da aus allenGegenden des Saales Beschimpfungen auf Mirabeau stürmten und derPräsident ihn mit einer unwürdigen Parteilichkeit von der Bühne zu ent-fernen und die Sitzung zu heben suchte, verzweifelte ich, daß Mirabeauseiner mächtig bleiben, daß er imstande sein würde zu antworten, wiees seine Lage und seine beleidigte Würde erforderten. Der Weg zumRuhme, dacht’ ich, ist doch mit Dornen bestreut; in Despotien mußt dukriechen, in Freistaaten dich herumschlagen, und wenn du den Dankaller verdient hast, treibt dich der Ostrazismfus] ins Exil. Mirabeaustand auf dem Punkte, dieses zu erfahren oder erfuhr es; jeder andrehätte unterlegen, nur seine starke Seele nicht; wie unrecht hatte ich,mir für sie bange sein zu lassen, für sie, die just in Ungewittern amgrößten ist. Er hatte nicht nur mit kalten Blute den langen blutigenAngriff ausgehalten, sondern Besonnenheit genug besessen, aus den Lanzenseines Feindes Verteidigungswaffen zu bereiten. Es gab einen heftigenKampf; er brauchte alle Ressourcen seines Genies, den jungen gewandtenWidersacher zu bezwingen; allein er packte ihn und seine Genossen miteiner eisernen, glühenden Hand, riß ihnen die falschen Rüstungen her-unter und schlug unheilbare Wunden. Siedender Zorn sprudelte überalles, was gegen ihn gewütet hatte, ungehörte Wahrheiten wurden derGesellschaft vorgedonnert, seine Kühnheit, sein erhabener Gang brachtenstaunendes Erstarren hervor; so bändigte er die Rasenden und entriß,wem es auch sein mochte, wenn nicht Beifall, laute Bewunderung. Mirabeauhat in der Nationalversammlung keinen allmächtigem Augenblick gehabt,Ich bedaure, daß die Grenzen des Briefs nicht erlauben, ins Detail zugehen und alle unsterbliche Eindrücke mitzuteilen, die dieser epoche-machende Abend tief in meiner Seele gelassen hat. Was mich am meistenhinriß, war die Herrschaft über sich selbst, seine geschlagene Gegnerund alles ihm Persönliche im Stiche zu lassen, um die tiefsinnigstenpolitischen Diskussionen zu verfolgen.

1 Der bekannte gemäßigte Klub, dessen Versammlungsort das ehemaligeKloster der auf die Zisterzienser zurüekzufiihrenden Feuillants war.

Flach u. Guggenbülil, Quellenbuch IV

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