Band 
Vierter Teil.
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12. Der Fluchtversuch Ludwigs XVI., Juni 1791.

Louis Bonneville de Marsangy, Journal d’un volontaire de 1791,Paris 1888: Brief Denis Belots an seinen Vater. Hier nach Gustav Lan-dauer, Briefe aus der Französischen Revolution, Bd. II, 1919, S. 395 ff.

Sainte-Menehould, 15. März 1792.

In dieser Stadt wohnt der wachsame Drouet 1 ; und vor seiner Türglaubte er die königliche Familie zu erkennen. Ich will Dir die haupt-sächlichsten Ereignisse dieses Vorfalles wiedergeben, so wie sie mir be-richtet wurden.

Am 20. Juni 1791 kam unvermutet eine Abteilung der LauzunschenHusaren 2 und eine Abteilung Dragoner an. Diese Truppe traf gegendie Regel ein, ohne daß die Gemeindeverwaltung davon benachrichtigtwar. Sie wohnten, wieder gegen die Regel, in den Herbergen, ohne daßman ihnen Quartier anwies, und zahlten die Wirte aus ihrer Tasche.Diese Soldaten antworteten auf die Frage nach dem Zweck ihres über-raschenden Eintreffens, sie erwarteten einen Schatz. Die Offiziere liefenunaufhörlich in den Straßen herum, gingen auf der Straße nach Cliälonshinaus und kamen mit unruhigen und bedenklichen Gesichtern zurück.All diese verschiedenen Umstände weckten Zweifel, aber man wußte nochnicht, woran man sich halten sollte.

Gegen acht Uhr abends kamen zwei Wagen an, von denen der eine,der vorn war, sehr schwer beladen schien. Die Vorhänge und die Fensterwaren heruntergelassen. Im Innern gewahrte man mehrere Frauen, dar-unter eine, deren Kopf mit einem Tuch verhüllt war und die sich imInnern des Wagens verbarg.

Als dieser Wagen vor der Post hielt, näherte sich ihm einer derOffiziere des am Morgen eingetroffenen Detachements und sagte der Person,die durchaus als Frau gelten wollte, etwas ins Ohr. Drouet, der dabeistand und allen Insassen des Wagens ins Gesicht geblickt hatte, glaubteden König zu erkennen. Die Anwesenheit der Truppe, das Warten aufden Schatz, das Geheimnis, das dieses Komplott zu bedecken schien, be-festigten ihn in dem Glauben, daß er sich nicht täuschte. Um sicherer zugehen, geht er in sein Zimmer hinauf, nimmt eine Fünfzigfranken-Assignateund erkennt Zug um Zug den König der Franzosen. Er geht wiederhinunter und empfiehlt seinen Postillonen, die eben losfahren wollten,nicht zu schnell zu fahren.

Dann läuft er zur Maire der Stadt, teilt ihm die Entdeckung mit,die er jetzt eben gemacht hat, und bittet ihn, den Aufbruch der Truppezu verzögern; er fügt hinzu, er wolle mit Herrn Guillaume 3 zusammen

1 Drouet, 1763—1824, ein ehemaliger Dragoner, war im Postdienst inSainte-Menehould tätig. Es war seinem Eingreifen zu verdanken, daß diekönigliche Familie in Vareimes festgenommen werden konnte.

2 So genannt nach dem französischen General Biron, Herzog von Lauzun.

3 Ein Freund Drouets, ebenfalls ein ehemaliger Dragoner.