Band 
Vierter Teil.
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ihre damalige Impertinenz leicht vorstellen, wenn sie nur die betrachten,mit der ein Ludwig XVIII. samt Konsorten durch wiederholte unsinnigeManifeste und Proklamationen dem gesunden Menschenverstände jetztnoch immer Trotz bieten, auch nachdem alle Hoffnung für sie vei--schwunden und sie selbst aufs äußerste gedemütigt und verächtlich ge-worden sind. Noch jetzt sind diese ci-devant abgeschmackten Großsprechervoll Dünkel und dummer Rachsucht.

Wie tief muß diesen elenden Hofinsekten der alte diplomatischeHofschlamm ankleben und wie vespestet muß die Luft ehedem gewesensein, da sie es jetzt noch immer ist! Die härtesten Stöße des Schicksalshaben ihre adligen Halbseelen noch immer nicht zur vernünftigen Be-sinnung bringen können, und so wandern sie wie verdammte Scheusalezur exemplarischen Belehrung für alle die, welche, auf Vorrechte desStandes gestützt, die Rechte der Menschheit ihrer usui’pierten Konvenienzaufopfern und alles wie Sklaven behandeln möchten, was nicht zum Hof,zum Adel oder zur Söldnerei gehöret.

Unser General hatte zwar verbieten lassen, mit den Emigrantenzu sprechen oder uns sonst mit ihnen einzulassen; er glaubte nämlich,diese gesetzlosen Herren möchten durch ihr Geld unsre Leute zur De-sertion auffordern und sie unter ihr Korps, welches einige damals schondie französische Spitzbubenai'mee nannten, verleiten. Das hatten dieHerren auch getan und manchen, sogar von den trierischen Soldaten,zu sich herangekirrt.

Ich ging aber doch schon den ersten Tag in ein Weinhaus, woFranzosen ihr Wesen trieben, und ließ mich mit ihnen in ein Gesprächein. Aber abgeschmacktere Großsprecher habe ich mein Tage nicht ge-funden, und ich kann es noch immer nicht spitz kriegen, wie irgendeinDeutscher für solche Franzosen einige Achtung hat haben können! Dieseelenden Menschen verachteten uns Deutsche mit unsrer Sprache und unsernSitten ärger, als ii'gendein Türk die Christen verachtet. Im Wirtshausemachte die Haustochter beim Aufwarten ein Versehen, und — sacree garced’allemande (verfluchter deutscher Nickel), chien d’allemand, bete d’alle-mand . . . waren die Ehrentitel, die diese sacres bougres d’emigres unsDeutschen anhängten. Unsre Spi’ache verstanden sie nicht und mochtensie auch nicht lernen; sie nannten sie jargon de cheval, de cochons —Pferde- und Schweinespx-ache usf.

Ich sagte einmal bei Gelegenheit einer schönen Tabaksdose, daßich nicht Geschmack genug hätte, um von dem darauf gemalten Porträtzu ixrteilen. «Qne dites-vous, monsieur!» erwiderte ein Emigrant, «c’estassez que de savoir le franqais, pour avoir le goüt juste; un homme quisait- notre langue ne peut jamais manquer d’esprit.» Das war doch einsehr anmaßliches Kompliment! Und doch waren die Deutschen herab-lassend genug, diesen Emigranten zu hofieren und sie zu unterstützen.Darüber habe ich mich oft recht innig geärgert und ärgere mich noch,wenn ich bedenke, wie geringschätzig uns die Koblenzer, die Trierer undselbst die Luxemburger gegen die Emigrantenkanaille behandelten. Ichbediene mich hier freilich nicht sehr edler Ausdrücke, aber wie dasOriginal, so dessen Kopie.