Band 
Vierter Teil.
Seite
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Der Verfasser, ein Hallenser, war bis 1807 in preußischen, dann in west-fälischen und seit 1813 wieder iu preußischen Diensten. In der folgenden Dar-stellung- schildert er seine Erlebnisse auf dem Marsch nach Jena, den er alsBataillonsadjutant mitmachte.

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Am 13. Oktober gegen fünf Uhr abends setzte sich General vonRüchel 1 mit seinem Korps in Marsch. Als zuvor die Gewehre geladenwurden, war der Eindruck nicht zu verkennen, den diese ernstlicheVorbereitung auf einen großen Teil der Gemüter machte. Indessen warder Soldat trotz alles schon erlittenen Mangels willig und guten Muts,und wenn anfangs auch Stille herrschte, so bemühten sich die Offizierenicht ohne Erfolg, auf die Erhaltung einer guten Stimmung zu wirken,und gerade die Ausländer, die man für die schlechtesten hielt, zeigtendas meiste Vertrauen und Ergebung. Die sogenannten Possenreißer undSpaßmacher, deren es unter den alten Soldaten und namentlich unterden Ausländern damals bei jeder Kompanie mehrere gab, brachtendurch ihre Späßchen und Witze bald die gute Laune wieder ins Geleise.So zog man singend und scherzend, den Hunger vergessend, dem nahenUntergange entgegen. Wir umgingen Erfurt und kamen in der Nachtzum 14. zwischen zehn und elf Uhr eine Stunde jenseits Weimar aufder Chaussee nach Jena an, wo unser Korps auf den Lelinstedter Höhenhaltmachte. Wir fanden hier die Spuren eines soeben verlassenenLagers sowie auch einen Teil der Garde und hörten, daß die Haupt-armee hier gestanden habe, der König und das Hauptquartier an diesemTage in Weimar gewesen seien und die Königin Luise sich noch da-selbst befinde. Als wir bei Erfurt vorbeizogen, kamen uns die erstenVerwundeten sowie eine Menge zerstreuter Leute und Bagage entgegen.Es waren größtenteils Sachsen und Leute vom Regiment von Miiffling,die bei Saalfeld 2 gefochten und nach ihrer Aussage sehr gelitten hatten.Sie waren ziemlich entmutigt, bestätigten den Tod des Prinzen LouisFerdinand und machten einen sehr Übeln Eindruck auf unsre Soldaten.Leider wirkte dieser Eindruck auch auf uns Offiziere, wenn auch inandrer Art; denn es gab der Zeichen des nahen Unglücks zu viele, alsdaß sie selbst von den Unbefangensten hätten übersehen werden können.Mit schmerzlichen Gefühlen stellten ich und mancher andre bei Gelegen-heit dieses Marsches im vereinigten Armeekorps stille Betrachtungen an.Es war nicht zu verkennen, unser Heerkörper war krank, und mit jedemSchritt zeigten sich die Gebrechen einer veralteten Kriegskunst. Ohnees zu wissen, waren wir in Schwerfälligkeit, Unbehilflichkeit und äußernFormen untergegangen. Der größere Teil unsrer Führer war alt undabgelebt; barbarische Strenge und Grobheit waren der Deckmantel ihrer

1 Der Oberkommaudierende der Truppen, dem das Regiment Borckes an-gehörte.

2 Am 10. Oktober 1806; es war das erste Treffen des Feldzuges; PrinzLouis Ferdinand, auf den die Preußen für die Zukunft große Hoffnungen ge-setzt hatten, fiel darin.