Band 
Vierter Teil.
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Schwächen; bei jedem ungewöhnlichen Ereignis verloren sie den Kopf,was bereits viele Beispiele bewiesen hatten, und unsre Bewegungen kurzvor der Schlacht zeigten, daß Offiziere wie Soldaten ihres Handwerksaußerhalb des Exerzierplatzes ganz unkundig waren.

Nachdem das Armeekorps in der Nacht zum 14. Oktober auf demerwähnten Platze bei Weimar angekommen war, erwartete jedermann,daß die Zelte aufgeschlagen, ein regelmäßiges Lager eingerichtet undvor allem Lebensmittel ausgeteilt würden. Das Gepäck war uns ge-folgt, die Brotwagen hofften wir entweder schon zu finden oder mit jedemAugenblick ankommen zu sehen: daß am folgenden Tage eine Schlachtstaufinden würde, davon hatte man im allgemeinen noch keine Ahnung.Alle unsre Erwartungen wurden getäuscht. Der Befehl kam, die Leutekönnten sich niederlegen und Feuer anmachen. Es war eine kalte Nacht;Mangel und Hunger hatten bereits einen so hohen Grad erreicht, daßselbst die Sparsamsten auch nicht ein Stückchen Brot mehr besaßen undnur das wenige, was die Marketender herbeischleppten, für teures Geldzu haben war. Den Begriff Biwak kannte kein Mensch, und wederOffizier noch Soldat vermochten sich darein zu finden, die Nacht unterfreiem Himmel liegen zu müssen, da wir doch die Zelte bei uns hatten.Noch unbegreiflicher war es, daß nicht für die notwendigsten Bedürf-nisse, nicht einmal für Holz und Stroh gesorgt war. Es blieb indessenbei dem Befehl. Kaum waren die Gewehre zusammengesetzt, so loder-ten Tausende von Feuern auf, wozu ein in der Nähe befindlicher Lust-wald und die schönen Pappeln der Chaussee das Holz hergeben mußten.Die Nacht verging unter Hunger, Kälte und ungewohnten Mühselig-keiten. Jeder sehnte sich nach dem Morgen in gewisser Erwartung,diesen Zustand verbessert zu sehen. Sagen konnte man sich unter diesenUmständen wohl, daß ein schweres Unglück nicht fern sei. Aber mantäuschte und betrog sich absichtlich selbst, ja es gab Leute unter uns,die so mit Blindheit behaftet waren, daß sie, trotzdem bereits Blut zuunserem Nachteile geflossen war und der Krieg uns auf den Fersen saß,die Franzosen weit weg und selbst an die Möglichkeit der Einstellungder Feindseligkeiten glaubten. Andre, und zwar die Mehrzahl der jungenOffiziere, die den Krieg leidenschaftlich wünschten, dachten sich dieSache so leicht, daß es nur des Erscheinens unsrer Armee bedürfe, umdie Franzosen zu Paaren zu treiben. Geringschätzung und Haß hattenalle Gemüter, jung und alt, so eingenommen, daß die Generale undhöheren Offiziere nie in einem andern Ton von den Franzosen sprachen,als daß sie znsammengelaufenes Gesindel seien, die den von nnsermbraven Könige selbst und von Männern von Ruf angeführten Truppenunter keiner Bedingung standhalten könnten und wie bei Roßbach 1 zumTeufel laufen würden. So sprach und dachte man in jenen Tagen. Sosehr war man irregeleitet von dem falschen Wahn, so umnebelt vonblindem Vertrauen und Selbstüberschätzung, daß diese Meinung zur Ge-wohnheit geworden war und ich es keinem hätte raten wollen, öffent-lich eine andre auszusprechen.

i 1757.