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die über den Fluß setzten und mit ihrem Geschütze ihre Stellung aufden jenseitigen Anhöhen nahmen, um den weitern Übergang schützen zukönnen.. . . Mit Tagesanbruch verließen auch wir unsere Scheuer undsahen darauf eine unabsehbare Masse von Menschen, Pferden und Fuhrenden schmalen Zugängen der Brücken Zuströmen und diese bestürmen;es waren daselbst Rampen angebracht, deren Zugänge im Wasser stun-den, da der grundeisführende Fluß ausgetreten war.
Gendarmen und Pontoniere hatten den Befehl, außer geschlossenenTruppenabteilungen nur zunächst Offiziere und bewaffnete Soldaten überdie Brücken zu lassen, wodurch das Gedränge fürchterlich zunahm. . . .Mein erster Versuch, zu der untern Brücke zu gelangen, mißlang trotzaller Kraftanwendung. Einen günstigen Augenblick abwartend, zogich mich zu den Wagen bei dem zerstörten Dorfe -Studiankazurück, wo das Gedränge nicht so groß war . . und nahm alle meineKräfte zusammen, um zu der untern Brücke zu gelangen. In demschauerlichen Gedränge vertieft und gepreßt, konnte ich kaum Atemholen und mit den Füßen den Boden berühren; die Masse wogte übergefallene Menschen und Pferde, über zertrümmerte Wagen und andereGegenstände; viele stürzten darüber zu Boden und waren bald von denFolgenden zertreten. . . . Ich befand mich in dem Menschenkeil, der. zu-fällig auf die Höhe der Rampe geschoben wurde; zu beiden Seiten sahich den größten Teil ins Wasser gedrückt, um von den großen Eis-schollen für immer zugedeckt zu werden. Es war zehn Uhr vormittags,als es mir gelang, ohne weitern Anstand über die noch nicht völlig her-gestellte Brücke zu kommen, die bald darauf wieder zusammenbrach.Ich . . . kam darauf zu einigen Offizieren unserer Division, die sich umein Feuer gelagert hatten. Wie erstaunte ich, liier meinen Diener mitdem Pferde zu finden, den ich im Gedränge bei Borissow verloren hatte. . . .
28. November. Beim Erwachen fanden wir uns tief eingeschneit, unddas zu unserem Glücke; denn auch bei uns ging bald das spärliche Feueraus, und wir wären ohne diese Schneedecke sehr leicht dem Erfrierenausgesetzt gewesen. Jenseits lagerte noch ein großer Teil; nur Fuhrwerksetzte in der Nacht den Übergang fort. . . . Mit Tagesanbruch entspannsich ein mörderischer Kampf auf beiden Ufern; jenseits Wittgensteinmit 40 000 Russen, diesseits Tschitschagow 1 mit 27 000 Mann schleudertenihre Geschosse in die verworrene Masse. Die höchste Bestürzung ergriffalles, was noch nicht herüber konnte; zum dritten Male brach die untereBrücke unter der Last zusammen und konnte nicht mehr hergestelltwerden. Alles drängte sich nun zur oberen Brücke hin; Weiber undKinder, die sich bisher auf stehengebliebenen Wagen befanden, wurdenim Menschenstrome mit fortgerissen, die meisten kamen darinnen um. . . .Kanonenkugeln und Granaten schlugen in die drangvolle Masse, dasGeschrei der Unglücklichen übertönte den Kanonendonner, und dasDrängen zur Brücke wurde immer rasender; die größere Zahl stürzte
1 Fürst Wittgenstein, 1769—1843, nahm später auch hervorragenden Anteilan den Befreiungskriegen; Admiral Tschitschagow, 1762—1849, fiel wegenseines Mißerfolges an der Beresina in Ungnade.