Band 
Vierter Teil.
Seite
111
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Tauroggen, 30. Dezember 1812: Fest überzeugt, daß bei einemweiteren Marsch die Auflösung des ganzen Korps und der Verlust seinerganzen Artillerie und Bagage ebenso unausbleiblich gewesen sein würdewie bei der Großen Armee, glaubte ich als Untertan Eurer Majestät nurnoch auf Allerhöchstdero Interesse und nicht mehr auf das Ihres Ver-bündeten sehen zu müssen, für den das Korps nur aufgeopfert wordenwäre, ohne ihm in seiner Lage noch wahre Hilfe leisten zu können.

Hie Konvention läßt Eurer Majestät in Höchstihren Entschließungenfreien Willen; sie erhält aber Eurer Majestät ein Truppenkorps, wasder alten oder einer etwaigen neuen Allianz Wert gibt und Aller-liöchstdieselbe nicht unter die Willkür Ihres Alliierten setzt, vondem Sie die Erhaltung oder Retablierung Ihrer Staaten als Geschenkannehmen müßten.

Eurer Majestät lege ich willig meinen Kopf zu Füßen, wenn ichgefehlt haben sollte; ich würde mit der freudigen Beruhigung sterben,wenigstens nicht als treuer Untertan und wahrer Preuße gefehlt zu haben.Jetzt oder nie ist der Zeitpunkt, wo Eure Majestät sich von den über-mütigen Forderungen eines Alliierten losreißen können, dessen Pläne mitPreußen in einem mit Recht besorgniserregenden Dunkel gehüllt waren,wenn das Glück ihm treu geblieben w'äre. Diese Ansicht hat mich ge-leitet. Gebe Gott, daß sie zum Heile des Vaterlandes führt.

Tilsit, 3. Januar 1813: Eurer Königlichen Majestät Monarchie,obgleich beengter als im Jahre 1805, ist es jetzt Vorbehalten, der Erlöserund Beschützer Ihres und aller deutschen Völker zu werden. Es liegtzu klar am Tage, daß die Hand der Vorsehung das große Werk leitet.Der Zeitpunkt muß aber schnell benutzt werden. Jetzt oder nie ist derMoment, Freiheit, Unabhängigkeit und Größe wiederzuerlangen, ohnezu große und zu blutige Opfer bringen zu müssen. In dem AusspruchEurer Majestät liegt das Schicksal der Welt. Die Negociations, so EurerMajestät Weisheit vielleicht schon angeknüpft, werden mehr Kraft er-halten, wenn Eure Majestät einen kraftvollen und entscheidenden Schritttun. Der Furchtsame will ein Beispiel, und Österreich wird dem Wegefolgen, den Eure Majestät bahnen.

Eure Königliche Majestät kennen mich als einen ruhigen, kalten,sich in die Politik nicht mischenden Mann. Solange alles im gewöhn-lichen Gang ging, mußte jeder treue Diener den Zeitumständen folgen;das war seine Pflicht. Die Zeitnmstände aber haben ein ganz anderesVerhältnis herbeigeführt, und es ist ebenfalls Pflicht, diese nie wiederzurückkehrenden Verhältnisse zu benutzen. Ich spreche hier die Spracheeines alten treuen Dieners, und diese Sprache ist die fast allgemeineder Nation. Der Ausspruch Eurer Majestät wird alles neubeleben undenthusiasmieren; wir werden uns wie alte, echte Preußen schlagen, undder Thron Eurer Majestät wird für die Zukunft felsenfest und uner-schütterlich dastehen.

Ich erwarte nun sehnsuchtsvoll den Ausspruch Eurer Majestät, obich gegen den wirklichen Feind vorrücke oder ob die politischen Verhältnisseerheischen, daß Eure Majestät mich verurteilen. Beides werde ich mit