Band 
Vierter Teil.
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«Wollen Sie mich etwa durch eine Koalition zugrunde richten?»versetzte Napoleon. «Wieviel seid ihr denn, Ihr Alliierte? Euer vier,fünf, sechs, zwanzig? Je mehr Ihr seid, desto besser für mich. Ich nehmedie Herausforderung an. Aber ich kann Sie versichern,» fuhr er mit er-zwungenem Lachen fort, «im nächsten Oktober sehen wir uns in Wien.Dann wird es sich zeigen, was aus Eueren guten Freunden, den Hussenund Preuiien, geworden ist. Zählen Sie auf Deutschland? Schauen Sie,was es im Jahre 1809 getan hat! Um dort die Bevölkerung im Zaumzu halten, genügen mir meine Soldaten, und für die Treue der Fürstenist mir die Furcht Bürge, die sie vor Euch haben. Erklären Sie IhreNeutralität und halten Sie dieselbe, dann gehe ich auf Unterhandlungin Prag 1 ein. Wollen Sie eine bewaffnete Neutralität? Es sei! LegenSie dreimalhunderttausend Mann nach Böhmen; das Wort des Kaisersgenügt mir, daß er mir nicht den Krieg machen wird, bevor die Unter-handlung zu Ende ist.»

«Der Kaiser», antwortete ich, «hat den Mächten seine Vermittlung,nicht seine Neutralität angeboten. Rußland und Preußen haben die Ver-mittlung angenommen; an Ihnen ist es, sich heute noch zu erklären.» . . .

Hier unterbrach mich wieder Napoleon, um sich in eine lange Ab-schweifung über die mögliche Stärke unserer Armee zu ergehen. . .Nachdem ich ihn über eine halbe Stunde angehört hatte, unterbrach ichihn mit der Bemerkung, daß ich in dem, was er soeben gesagt, einenstarken Beweis der Notwendigkeit erkenne, so wechselvollen Geschickenein Ziel zu setzen. «Das Glück», fügte ich bei, «kann Sie ein zweitesMal wie im Jahre 1812 im Stiche lassen. In gewöhnlichen Zeiten bildendie Armeen nur einen kleinen Teil der Bevölkerung; heute ist es dasganze Volk, das Sie unter die Waffen rufen. Ihre jetzige Armee, istsie nicht eine antizipierte Generation? Ich habe Ihre Soldaten gesehen,es sind Kinder. Eure Majestät haben das Gefühl, daß Sie der Nationabsolut notwendig sind; brauchen aber nicht auch Sie die Nation? Undwenn diese jugendliche Armee, die Sie heute unter die Waffen gerufenhaben, dahingerafft sein wird, was dann?»

Als Napoleon diese Worte hörte, übermannte ihn der Zorn; er wardbleich und seine Züge verzerrten sich. «Sie sind nicht Soldat», fuhr ermich an, «und wissen nicht, was in der Seele eines Soldaten vorgeht.Ich bin im Felde aufgewachsen, und ein Mann wie ich schert sich wenigum das Leben einer Million Menschen.» 2 Mit diesem Ausruf warf er denHut, welchen er bisher in der Hand gehalten, in die Ecke des Zimmers.Ich blieb ganz ruhig, stützte mich an die Ecke eines Konsols zwischenden zwei Fenstern und sagte, tief bewegt von dem, was ich eben ge-hört: «Warum haben Sie mich gewählt, um mir zwischen vier Wändendas zu sagen, was Sie eben ausgesprochen? Öffnen wir die Türen, und

1 Napoleon nahm schließlich die bewaffnete Vermittlung Österreichs an;die weiteren Unterhandlungen auf einem Kongreß zu Prag verliefen aberergebnislos.

2 «Ich wage es nicht, mich hier des von Napoleon gebrauchten viel der-beren Ausdruckes zu bedienen.» (Anmerkung Metternichs.)