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Als nächste diplomatische Anknüpfung für den Kongreß galt derPariser Friede 1 , und die acht Mächte, welche diesen unterzeichnet hattenoder ihm beigetreten waren, standen in erster Reihe. . . . Die höherenpolitischen Fragen von allgemeiner Wichtigkeit wurden in hergebrachterdiplomatischer Weise größtenteils durch Notenwechsel zwischen den Groß-mächten allein verhandelt; die Gegenstände, welche mit jenen Lebens-fragen nicht notwendig zusammenhingen und teils bestimmte Länder, teilseinzelne Klassen, teils auch durchgreifende Allgemeinheiten betrafen,waren an besondere Ausschüsse von Bevollmächtigten, zumeist der großenHöfe, gewiesen, wo die Geschäfte durch Sitzungen und Protokolle geführtwurden. Außer den deutschen Gebiets- und Yerfassungsfragen standenderen auch für andre Länder manche höchst wichtige zur Entscheidung,und neben den Ausschüssen hiefiir waren noch andre für die Abschaffungdes Negerhandels und für die Zähmung der afrikanischen Seeräuberaufgestellt.
Kam auf solche Weise die Einleitung und Verteilung der Arbeitenendlich zustande, so fehlte doch viel, daß dies gleich von Anfang voll-ständig gelungen wäre und daß der eingeschlagene Gang von allen Seitendie nötige Förderung erfahren hätte. Allem andern zuvor mußten diepolitischen Fragen in betreff des künftigen Besitzstandes der großenMächte unter diesen abgemacht sein; diese Grundlage schien bereitsfestgelegt, allein bei näherem Eingehen fanden sich manche Stellen nochunsicher, andere wurden erst jetzt wankend. Die Häupter der Kabinette,welche bisher die Sachen geführt, wußten recht gut, w r as sie im einzelnenwollten und im ganzen wünschten, und die besondern Bestimmungen, diesie teils als Gesamtheit gegenüber von Frankreich sich ausbedungen, teilsunter sich vorher schon getroffen hatten oder nachträglich festsetzten,ließen ihre Ansprüche und Erwartungen deutlich genug hervortreten.Tatsächliche Überlegenheit wird in der Welt unter allen Umständenanerkannt, und wo das Recht der Mindermächtigen, und schon ihr Vorteilsogar, von der Macht, wie hier unleugbar der Fall, beachtet und mit-vertreten sind, da findet sich eine in der Natur der Dinge begründeteUnterordnung von selbst. Dies war auch das allgemeine Gefühl in betreffdes Kongresses, und den vier Hauptmächten, sofern sie einig waren,mochte niemand eine Art von Diktatur bestreiten. Ohne Zweifel wärees für Europa und insbesondere für Deutschland vorteilhaft gewesen,wenn alle Entscheidungen lediglich in jener höheren Region, ohne dietrübende Einmischung beschränkter, von unten emporsteigender Eifer-süchten und kleinlicher Betriebsamkeiten, hätten gefaßt werden können,und der Widerspruch würde unerheblich geblieben und bald verstummtsein. Jedoch fiel die Sache weit anders aus. Innerhalb der Machtverbindungwurden Trennungslinien sichtbar, die sich durch hinzutretendes Einwirkenleicht in Zwiespalt vertiefen ließen. Es fehlte nicht an solchem Ein-wirken, wodurch bald Macht gegen Macht stand und anstatt einer freien,reichen Darbietung ein mißtrauisch berechnetes und doch gerade dadurchverkümmertes Ergebnis davongetragen wurde.
i Vom 30. Mai 1814.