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OS. Zum Xupuleonskult in Fraukmcli, 18112 mul 1S41.
Heinrich Heine, Französische Zustände. Heinrich Heines säintlichoWerko,herausgogobon von Gustav Karpeles, Bd. IX, 8. 1I>2 f., 241 f. GokUrzt.
Hiese Berichte Heines erschienen zuerst in der Augsburgor «AllgemeinenZeitung.«
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«4. Der Tod des Herzogs von Reichstadt.
Dieppe, den 20. Angast [1832].
Man hat keinen Begriff davon, welchen Kindrack der Tod desjungen Napoleon 1 bei den unteren Klassen des französischen Volkes her-vorgebracht. Schon das sentimentale Bulletin, welches der «Temps»über sein allmähliches Dabinsterben vor etwa sechs Wochen geliefertund welches besonders abgedruckt in Paris für einen Son herumverkanftwurde, hat dort in allen Carrefonrs- die äußerste Betrübnis erregt. So-gar jnnge Republikaner sah ich weinen; die alten jedoch schienen nichtsehr gerührt, nnd von einem derselben hörte ich mit Befremdnng dieverdrießliche Äußerung: «Ne pleurez pas. c'etait le Als de l’homme quia fait mitrailler le penple le 13 vendemiaire 3 .» . . .
Ganz unbedingt verehrt man den Kaiser auf dem Lande; da hängtin jeder Hütte das Porträt «des Mannes», und zwar, wie die »Quoti-dienne» bemerkt, an derselben Wand, wo das Porträt des Haussohneshängen würde, wäre er nicht von jenem Manne auf einem seiner hundertSchlachtfelder hingeopfert worden. . . .
Ich bereiste den größten Teil der nordfranzösisclien KUstengegcnden,während die Nachricht vom Tode des jungen Napoleon sich dort ver-breitete, Ich fand deshalb überall, wohin ich kam, eine wunderbareTrauer unter den Leuten. Sie fühlten einen reinen Schmerz, der nicht indem Eigennütze des Tages wurzelte, sondern in den liebsten Erinnerungeneiner glorreichen Vergangenheit. Besonders unter den schönen Norman-ninnen war großes Klagen um den frühen Tod des jungen Heldensohnes.
Ja, in allen Hütten hängt das Bild des Kaisers, überall fand iches mit Trauerblumen bekränzt wie Heilandsbilder in der Karwoche.Viele Soldaten trugen Flor. Ein alter Stelzfuß reichte mir wehmütigdie Hand mit den Worten: «A present tont est flni.» . . .
Am öftesten fand ich in den Bauernhäusern das Bild des Kaisers,wie er zu Jaffa das Lazarett besucht und wie er zu St. Helena aufdem Totenbette liegt. Beide Darstellungen tragen auffallende Ähnlich-keit mit den Heiligenbildern jener christlichen Religion, die jetzt inFrankreich erloschen ist. Auf dem einen Bilde gleicht Napoleon einemHeilande, von dessen Berührung die Pestkranken zu genesen scheinen;auf dem andern Bilde stirbt er gleichsam den Tod der Sühne.
■ Des Herzogs von Reichstadt, des Sohnes Napoleons I. Kr starb am22. Juli 1832 in Schönbrnnn.
* Straßenecken.
8 Am 13. Vendßmiaire des Jahres IV (5. Oktober 17!V») warf NapoleonBonaparte den Royalistenaufstand in Paris nieder.