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11. l)ie Leichenfeier Napoleons.
Paris, den 11. Januar 1841.
Die kriegerischen GolUste, die bei den Franzosen seit den Zeitender Gallier so stürmisch loderton und brodelten, sind nachgerade ziem-lich erloschen, und wie wenig die militärische Furor francese jetzt beiihnen vorherrschend, zeigte sich bei der Leichenfeier des Kaisers Napo-leon Bonaparte 1 . Ich kann nicht mit den Berichterstattern überein-stimmen, die in dem Schauspiel jenes wunderbaren Begräbnisses nurPomp and Gepränge sahen. Sie hatten kein Auge für die Gefühle, diedas französische Volk bis in seine Tiefen erschütterten. Diese Gefühlewaren aber nicht die des soldatischen Ehrgeizes nnd Stolzes; den sieg-reichen Imperator begleitete nicht jener Prätorianerjnbel, jene lärmigeRohm- nnd Ranbsncht, deren man sich in Deutschland noch sehr gaterinnert ans den Tagen des Empire. Die alten Eroberer haben seit-dem das Zeitliche gesegnet, and es war eine ganz neue Generation, diedem Leichenbegängnisse znschante, und wenn nicht mit brennendem Zorn,doch gewiß mit der Wehmut der Pietät sah sie auf diesen goldenenKatafalk, worin gleichsam alle Freuden, Leiden, glorreiche Irrtümer undgebrochene Hoffnungen ihrer Väter, die eigentliche Seele ihrer Väter,eingesargt lag! Da gab's mehr stamme Tränen als lautes Geschrei.Und dann war die ganze Erscheinung so fabelhaft, so märchenartig, daßman kaum seinen Augen traute, daß man zu träumen glaubte. Denndieser Napoleon Bonaparte, den man begraben sah, war für das heutigeGeschlecht schon längst dahingeschwunden in das Reich der Sage, znden Schatten Alexamlors von Mazedonien nnd Karls des Großen, undjetzt, siehe! eines kalten Wlntortags erscheint er mitten unter uns Le-benden, auf einem goldenen Sleguswagen, der geisterhaft dahinrollt inden weißen Morgennoboln.
Diese Nebel aber zerrannen wunderbar, sobald der Leichenzug inden Champs-Elysees anlangte. Hier brach die Sonne plötzlich aus demtrüben Gewölk und küßte zum letztenmal ihren Liebling und streuterosige Lichter auf die imperialen Adler, die ihm vorangetragen wurden,nod wie mit sanftem Mitleid bestrahlte sie die armen spärlichen Über-reste jener Legionen, die einst im Sturmschritt die Welt erobert undjetzt mit verschollenen Uniformen, matten Gliedern und veralteten Ma-nieren hinter dem Leichenwagen als Leidtragende einherschwankten.Unter uns gesagt, diese Invaliden der großen Armee sahen aus wieKarikaturen, wie eine Satire auf den Ruhm, wie ein römisches Spott-lied auf den toten Triumphator!
Die Muse der Geschichte hat diesen Leichenzug eingezeichnet inihre Annalen als besondere Merkwürdigkeit; aber für die Gegenwart
1 1840 ließ die französische Regierung die Gebeine des Kaisers mit Ein-willigung Englands von St. Helena nach Frankreich bringen, um sie im In-validendom boizusetzen. Der Lciehenzug im Dezember 1840 wurde zu einemTriumphzug fllr den toten Kuiser und für deu Bonapanismus.
FIacIi u. Uutfffenbtilil (Juollcnliucli IV.
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