Band 
Vierter Teil.
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dann noch ein Schuß, und dann folgte der eigentliche Beginn der Feind-seligkeiten. Längs des Palais-Royal stellten sich die Volksmänner unddie Garde nationale auf; in dem schon bemerkten gegenüberstehendenGebäude war die königliche Militärmacht postiert. Obgleich ich michin allem neutral verhielt, so fingen die Schüsse- doch an, mir unbequemzu werden, und ich fand für gut, mich hinter einen vorstehenden Pfeilerdes Palais-Royal zu stellen, wo ich so ziemlich sicher war; denn dieKugeln, die da links und rechts neben mir vorbeipfiffen, beunruhigtenmich nicht.

Wie es nicht anders sein konnte, so gab es bald Tote und Ver-wundete und zugleich eine kleine Pause, die dazu benützt wurde, dieToten auf die Seite zu schaffen und den Verwundeten die nötige Hilfeangedeihen zu lassen. Je nach IMständen wurden letztere in nahe-liegende Häuser versorgt oder in Apotheken getragen. Ich benutztediesen Anlaß, meine Schutzsäule zu verlassen, und begab mich in meinnaheliegendes Hotel, bis die Schüsse seltener wurden; dann wagte ichmich wieder hinaus auf den Kampfplatz. Man hatte soeben aus denTuilerien mit dem königlichen Wappen gezierte Equipagen auf den Platzgeführt; dieselben wurden nun, mit Brennmaterial versehen, hart an dasvon Militär besetzte Gebäude geführt und angezündet, worauf das Ge-bäude bald in Brand geriet. Noch sah man auf der obern TerrasseBajonette blinken, allein Feuer und Rauch wurden bald Meister; dieBajonette verschwanden nacheinander, und an fernem Widerstand seitensdes Militärs war nicht mehr zu denken. Ich glaube nicht zu irren, wennich annehme, daß kein einziger Soldat entfliehen konnte; was sich durchirgendeine Ausgangstüre retten wollte, wurde beim Austritt nieder-geschossen. Ob dennoch Gefangene gemacht wurden, weiß ich nichtzu sagen. . . .

Mittlerweile war es bekanntgeworden, daß der König Louis-Philippedie Flucht ergriffen und somit das Volk den Sieg errungen habe. Nunhieß es plötzlich: «Aux Tuileries! Aux Tuileries!» Ich hatte zumvoraus meinen Anzug so gewählt, daß ich überall, ohne Aufsehen zuerregen, mich einfinden, respektive eindrängen konnte; somit war ichbald entschlossen, den Zug ebenfalls mitzumachen. . . . Schießend, dieMarseillaise singend, ging es vorwärts nach den Tuilerien, die Stiegenhinauf, mit Knütteln, Stöcken usw., alles, was von Dekorationen, Sta-tuen, Kandelabern und dergleichen erreicht werden konnte, demolierend,ohne daß jemand den Mut gehabt hätte, diesem'Unfug entgegenzutreten.Man verteilt sich in die königlichen Gemächer, denen man es ansieht,daß sie in aller Eile verlassen wurden, da überall Gegenstände herum-liegen, die vielleicht noch zum Mitnehmen bestimmt waren. Manchenjuckt es, nicht eigentlich zum Plündern —■ in diesem Sinne konnte demfranzösischen Volke sozusagen nichts zur Last gelegt werden —, aberdoch irgendeinen Gegenstand von mehr oder weniger Bedeutung, kleinoder groß, als Andenken mitzunehmen. Ich selbst hatte schon einBüchlein ab einem Nipptische zur Hand und dachte einen Augenblick,dasselbe nur als unbedeutendes Zeichen, respektive Andenken an diesenTag, mitzunehmen; allein ich legte es wieder nieder, entschlossen, auch