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gaben nicht dessen unerprobte Kräfte übersteigen. Die Lage des Landesist zu kritisch, die Probleme, die sich der Aufmerksamkeit seiner Lenkerunmittelbar aufdrängen, sind zu wesentlich, um damit zu tändeln, sei esselbst im Interesse der politischen Philosophie. Verschiedene Umständehaben sich verkettet, um die eigentliche Lage des ägyptischen Fellahsäußerst prekäre zu machen. Seine Beziehungen zu den europäischenGläubigern werden gefährlich gespannt. Die Landwirtschaft des Landesverschlechtert sich rasch, da der Boden durch allzu häufige Ernten undandere Ursachen erschöpft wird. Die Fronarbeit ist nicht länger derReinigung der Kanäle gewachsen. Folglich nähert sich die Wüste dembebauten Lande, und falls nicht schnell irgendein Hilfsmittel ausfindiggemacht wird, werden die Finanzen des Landes kompromittiert werden.Mit einer solchen Ansammlung von Schwierigkeiten wird sich die ein-geborene Staatsmannkunst, selbst wenn sie durch die neugeschaffenenEinrichtungen ergänzt wird, kaum messen können, falls sie nicht eineZeitlang durch unsere Sympathie und Führung unterstützt wird. Unterdiesen Umständen erlaube ich mir zur Erwägung zu stellen, daß wirdas Reorganisationswerk kaum als vollständig oder die uns durch dieUmstände auferlegten Verantwortlichkeiten als hinlänglich erledigt be-trachten können, bevor wir Ägypten von den Verwicklungen, welche ichaufgezählt habe, völlig befreit sehen. Ist dies einmal erreicht, könnenwir ihm mit ruhigem Gewissen Lebewohl sagen, und wir mögen billiger-weise den Beifall Europas dafür beanspruchen, ein Werk vollendet zuhaben, welches jedermann vollbracht zu sehen wünschte, obwohl außeruns niemand willens war, es zu unternehmen. Selbst dann wird dieBeständigkeit des Werkes unserer Hände nicht gesichert sein, fallsnicht von allen Beteiligten klar verstanden wird, daß kein störenderEinfluß zwischen England und das Ägypten, welches es neugeschaffenhat, treten darf.
12G. Aus der Generalakte der Berliner Kongokonferenz,26. Februar 1885.
Französisch und deutsch im Reichsgesetzblatt, 1885, S. 215 ff.
Die Aufteilung Afrikas drohte zu schweren Streitigkeiten unter denKolonialmächten zu führen. Daher berief Bismarck, «im Einverständnis mit derRegierung der Französischen Republik», alle beteiligten Staaten — das DeutscheReich, Österreich-Ungarn, Belgien, Dänemark, Spanien, die Vereinigten Staatenvon Amerika, Frankreich, Großbritannien, Italien, die Niederlande, Portugal,Rußland, Schweden, die Türkei — zu einer Konferenz nach Berlin. Sie tagte vom15. November 1884 bis zum 26. Februar 1885, «in der Absicht, die für die Ent-wickelung des Handels und der Zivilisation in gewissen Gegenden Afrikas gün-stigsten Bedingungen im Geiste guten gegenseitigen Einvernehmens zu regelnund allen Völkern die Vorteile der freien Schiffahrt auf den beiden haupt-sächlichsten, in den Atlantischen Ozean mündenden afrikanischen Strömenzu sichern, andererseits von dem Wunsche geleitet, Mißverständnissen undStreitigkeiten vorzubeugen, welche in Zukunft durch neue Besitzergreifungen
Flach u. Gugg-enbühl, Quellenbuch IV.
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