Band 
Vierter Teil.
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der japanischen Armee zuschreibt. In der prächtigen Tapferkeit derTruppe muß er einen Beweis für diese Meinung erblicken. Und dochtäuscht er sich. Die vermeintliche Seelenstärke ist rein äußerliche An-gewöhnung, Verstellung, die in Japan zum guten Tone gehört wie dieVerheimlichung von Hunger und Durst. . . . Der Japaner empfindet denSeelenschmerz gerade so stark wie andere Menschen, aber er zeigt ihnnicht. . . . Übrigens wäre das ja immer noch nur passive Tapferkeit, diemit dem todesverachtenden Mute der Armee nicht gleichbedeutend ist.In der Tat läßt ein Blick auf das Wesen und die Lebenshaltung derJapaner erkennen, daß nicht Todesverachtung, sondern das direkte Ge-genteil eine urjapanische Eigenschaft ist. Der Japaner hängt am Lebenmit einer geradezu kindlichen Schwärmerei, wie sie bei keinem andernVolke anzutreifen ist. Er liebt alles Zierliche, Kleine. Ein Häuschenmit kleinen Stübchen, peinlich sauber gehalten, davor ein Gärtchen mitZwergbäumchen, die keine Früchte bringen, aber Blümchen — das istsein Glück. Wo nicht die bittre Lebensnot ihn anders zwingt, wird Ar-beit in seinen Händen zur Tändelei, Werkzeug zum Spielzeug. Dabei ister grausam gegen Tiere, durch und durch eine Kinderseele. Sonne undLicht und Blumen braucht der Japaner. Und der Tod macht allem Glückein Ende und bannt seinen Geist in ein düsteres Schattenreich, aus demes keine Erlösung gibt. Darum ist der Tod, und vor allem ein gewalt-samer Tod, ihm schrecklich, und darum ist die Familie eines gefallnenKriegers für immer hochgeehrt. Das ist eine spontane Regung derVolksseele. Doch liegt bei dem ungewöhnlich stark entwickelten Fa-miliensinn des Japaners in dieser Ehrung gefallner Krieger gleichzeitigein mächtiger Ansporn zur Tapferkeit. Deshalb ist ihr von den klugenFührern der Nation systematisch Vorschub geleistet worden. Das ist eineder ältesten und wirksamsten Maßnahmen gegen die im Volke lebendeübergroße und der Kriegstüchtigkeit entgegenstehende Wertschätzungdes Lebens. Und in der Armee wurde von jeher und wird fortgesetztin derselben Richtung gewirkt.

Schon im allgemeinen ist die ganze Truppentätigkeit im Frieden,von der Einzelausbildung bis zu den großen Manövern, ernster und rück-sichtsloser auf den Krieg gerichtet als in jeder andern Armee. Undim besonderen wird auf die Moral der Truppe so nachdrücklich und soeigenartig eingewirkt wie nirgends sonst. Unaufhörlich wird die Truppeveranlaßt, an den Tod im Kampfe zu denken. Nicht, indem gelegent-lich bei Übungen von Feuerwirkung und von Toten und Verwundetengesprochen wird, sondern es ist eines der höchsten Erziehungsziele, denSoldaten mit dem Gedanken an den Tod vertraut zu machen, in ihmdie Überzeugung zu pflanzen, daß es sein Beruf sei, in Erfüllung seinerPflicht auf dem Schlachtfelde zu sterben. Und zwar ist die Art, wiedas geschieht, nicht etwa den Offizieren überlassen. Den Lenkern derGeschicke Japans genügte es nicht, den Grundsatz aufzustellen und dieAusführung in die Hände der Kommandierenden zu legen. Sie wollten esnicht von persönlichen Meinungen und Anschauungen abhängen lassen,ob und wie es geschehe. Sondern es besteht eine ganze Sammlung vonSätzen und Denksprüchen, die der Truppe gelehrt und immer wieder