Band 
Vierter Teil.
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und späterer Wiederschließung ohne Zurücklassung merklicher Spurender vorgenommenen Gewaltoperation. Mancher Brief verfällt einfacherEinbehaltung, ohne Rücksicht auf die den Absendern und Empfängern,richtiger Nichtempfängern, durch das Verschwinden des Poststückesverursachten Schäden. Andere Briefsendungen werden photographiert.Das Negativ bleibt aufbewahrt bis zum Einlangen des oder der Briefegleicher Herkunft. Bei andern genügt die photographische Feststellungder Unterschrift. Die Langwierigkeit und Umständlichkeit der zu leisten-den Arbeit wird eigentlich erst erkennbar, wenn man sich vergegenwärtigt,daß der Zensor nicht allein den Empfänger, sondern auch den Absendermit allen aus dem Briefinhalt ersichtlichen Drittpersönlichkeiten, unbe-schadet der häufig nur unzulänglichen Namensandeutung, aufzustöbernhat. Die Schwierigkeiten wachsen ins Riesenhafte, wenn es gilt, ganzeArchive, ausgeräumte Schreibtischfächer oder Schriftschränke zu durch-forschen, die entweder durch gesetzliche Beschlagnahmung oder auf demWege ungesetzlicher, doch beliebter Praktik des Diebstahls in die Fängeder Ochrana gerieten. Mächtige Foliantenbände beschweren jahraus, jahr-ein die Arbeitspuite der Schriftendurchwühler. Sie sollen Namensfrag-mente erraten, ihre Funde in systematischer Registratur klassifizierenund einreihen mit allen in Betracht kommenden Hinweisen über dasWoher, Wohin, Wozu und Weshalb. Jeder behandelte Brief erhältseine laufende Geschäftsnummer. Jeder darin vorkommende Name wiedie der Absender und Empfänger verlangen die Herstellung von je zweibesonderen Stammkarten mit Anlegung doppelter Aktenstücke. Je eineAusfertigung ist für die Hauptverwaltung und für die Verhörsabteilungder Ochrana bestimmt. . . .

Ein nicht geringer Prozentsatz der russischen Geheimpolizei rekru-tiert sich aus abgestraften Verbrechern. Durch Zusicherung von Er-leichterungen in- und außerhalb der strengen Hausordnungsregeln, durchZuführung besserer Nahrungs- und Genußmittel nach langer Entbehrung,durch Belohnung und Strafverkürzung schafft sich die GeheimpolizeiAgenten innerhalb der Gefängnisse. Mit Verpflichtung der Verführten,ihre Schicksalsgenossen zu umlauern und auszuforschen, zu unbedaeht-samen Reden aufzureizen und ihnen Geständnisse zu entlocken. Ängst-liche oder widerstandsschwache Naturen, denen Kenntnis bestimmter, derpolitischen Polizei wissenswerter Vorgänge zuzutrauen ist, werden vor-sätzlich in einen Konflikt verwickelt. Nach Vornahme einer peinlichenHaussuchung zum Verhör gestellt, bedroht man sie mit schwerer Be-strafung. Sie haben die alleinige Wahl zwischen schändendem Gefäng-nis und Straffreiheit, letzterer um den Preis des Geheimnisverrats. DieOchrana kundschaftet überschuldete und notleidende Menschen aus, vondenen sie sich irgendwelchen Nutzen verspricht. Sie bietet dem Er-trinkenden die Gewinnung festen Bodens unter den Füßen, Mittel zurAufrichtung seiner Existenz oder gegebenenfalls auch Geld für dieBadereise der erkrankten Frau, den Betrag des morgen fälligen Wechselsusw. So gewinnt sie in ihm einen wertvollen Mitarbeiter. Sie drängtsich in die verbotenen Spielhöllen zur Beobachtung leichtsinniger Karten-helden, die ihr letztes Eigengeld oder gar anvertrautes Gut dem Hasard-