Band 
Vierter Teil.
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morgens durch Polizeischergen aus dem Bette zur Haft zerren ließ. Mitaufmunternder Freundlichkeit ersucht der militärische Untersuchungs-richter den Vorgeführten, ihm gegenüber am Schreibtisch Platz zu nehmen,indem er zugleich den Begleitsoldaten mit einem Winke gebietet, sichzurückzuziehen. Kaum hat der verdutzte Gefangene der AufforderungFolge geleistet, so erscheint im Türrahmen eine Ordonnanz. Sie reichtauf sauber blinkendem Metallbrett zwei Glas Tee nebst Zucker undBiskuit umher. Zuerst dem so sehr unfreiwilligen Gast, dann dem Vor-gesetzten, um sicli nach Bedienung sogleich zu entfernen. Mit verbind-licher Handbewegung wird der Häftling eingeladen, sich zu bedienen.Doch damit ist die «Gastfreundschaft» des Herrn Obersten nicht er-schöpft. Er langt nach seinem Rauchzeug, bietet dem Gegenüber Ziga-retten und Feuer an. Bei Vernehmung von Damen hält der ritterlicheOffizier Schokolade oder andere Süßigkeiten zum Anbieten bereit. DieVernehmung spielt sich im Rahmen gesellschaftlicher Unterhaltung ab.Keinen Augenblick weicht aus dem hinterlistigen Augenpaar des Aus-fragers der mildlächelnde Blick, aus seinen Zügen die biedermännischeGutmütigkeit. Er interessiert sich keineswegs nur für die amtlich inBetracht kommende Angelegenheit, die er übrigens immer und unterallen Umständen als eine höchst geringfügige, für den «Herbemühten»durchaus gutartige darstellt, die wahrlich nicht der verursachten Auf-regung wert sei, sich auch gewiß in allerkürzester Frist zu voller Be-friedigung der «Parteien» erledigen werde. 0 nein! Der gütige Militär-richter bringt allen Erzählungen, Wünschen und Beschwerden, Klagen undSorgen des vor ihm Erschienenen teilnahm volles Verständnis entgegen.Mit sachkundiger Beratung, um entstandenes oder befürchtetes Unrechtvon seinem Haupte abzuhalten. Am Schlüsse des «freundschaftlichenGesprächs» eröffnet der gütige Herr dem angstpochend zwischen Lebenund Tod seines Schicksals Harrenden, allerdings «unter lebhaftestemBedauern», daß er sich dareinfinden müsse, «zur raschen Abwickelungder leidigen Sache und weil es nun einmal das nicht zu umgehende Gesetzso fordere», zur Verfügung der Untersuchungsbehörde in diesen stillenGemäuern auf einige Zeit Unterkunft zu nehmen. «Doch wir werdenuns in nächster Zeit noch öfter sehen», tröstet der neugewonnene Freundden heute eingebrachten Hausinsassen. «Bis zu hoffentlich beschleunigter,zweifellos günstigster Aufklärung des Sachverhalts.» . . .

Die Ochrana in ihrem Gesamtsystem zeigt einen von durchfaultenBalken hergestellten und von Irrgängen durchzogenen Höhlenbau. AlsBehausung unsichtbarer Aufpasser, die aus ihrem Versteck den nächstenAufpasser zu überwachen haben und selbst von dem jeweiligen Hinter-mann ausgespäht werden. Auf diesen morschen Stützen ruht der ganzeKörper. Die Beseitigung auch nur eines der von Lasterhaftigkeit durch-seuchten Träger führt zum Einsturz des ganzen Gebäudes. Vor dem durch-dringenden Leiehengeruch ausströmenden Gerüstwerk müssen die Großenund Größten des Reiches furchtgebannt ihre Verbeugung machen wie der-einst die freiheitdürstenden Schweizer vor dem sagenhaften Geßlerhut. DieOchrana ist wie der kaiserliche Landvogt mit dem schrankenlosen Ver-trauen des Zaren umkleidet. Kein Minister oder Generalgouverneur, kein