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Richards eine Entscheidung überhaupt nicht erfolgen könne. Die Kurie könnedie Kurfürsten an der Ausübung ihres Wahlrechtes nicht hindern, zumalAlfons' Recht auf den Thron noch gar nicht erwiesen sei, auch durch Ri-chards Tod nicht größer werde. Ebenso erfuhr die auf die Entziehung desReichsvikariats gerichtete Forderung Alfonsos eine scharfe Zurückweisung?) InDeutschland wurde die Antwort des Papstes durch Erzbischof Heinrich vonTrier bekannt, der im Januar oder Februar 1273 von Orvieto, wo er die Auf-hebung der über ihn verhängten Suspension und Exkommunikation persönlich be-triebenhatte, zurückkehrte?) Sie enthielt eine direkte Aufforderung zur Neuwahl,indem sie das Wahlrecht der Fürsten anerkannte, und wirkte auch in diesemSinne. Werner von Mainz hatte unterdes zunächst zwischen den rhei-nischen Kurfürsten ein Einverständnis herzustellen versucht. Als Vermittlerin den Streitigkeiten zwischen Köln und Pfalz anerkannt, berief er, nachdemer am 6. Januar 1273 den Schiedsspruch gefällt, den Pfalzgrafen und denErzbischof von Köln für den 16. Januar nach Rense, um mit ihnen überdie Lage des Reiches zu verhandeln?) Da jedoch Engelbert dem Schieds-spruch sich nicht unterwerfen wollte, fand die Zusammenkunft nicht statt. Umso enger schlössen sich der Mainzer und der Pfalzgraf aneinander: sie stärktenihren Bund durch Aufnahme der Bischöfe von Worms und Speier. Wernerwurde zur Beilegung der zwischen dem Pfalzgrafen und den Erzbischöfen vonKöln und Trier bestehenden Streitfragen bevollmächtigt?) Bei seinen Be-mühungen um eine einmütige Wahl fand Werner einen gewichtigen Bundes-genossen in den rheinischen Städten. Am 5. Februar 1273 beschlossen dieAbgeordneten von Mainz, Worms, Oppenheim, Frankfurt, Friedberg, Wetzlarund Gelnhausen in der zuerstgenannten Stadt, daß sie nur einem von den Wahl-fürsten einmütig gewählten Könige Aufnahme und Unterstützung gewährenwürd en?) Zuerst gelang dem Mainzer die Aussöhnung HeinrichsvonTriermit Ludwig; Heinrich befürwortete das Gesuch des Pfalzgrafen um Aus-hebung des Bannes, der wegen der Begünstigung des Staufers Konradinüber ihn verhängt worden war. Der Papst gab bereitwillig nach und beauf-tragte am 5. Mai 1273 Heinrich von Trier mit der Lösung?) Er thates, um die Wahl eines deutschen Fürsten zum Könige zu beschleunigen. Denner war nicht geneigt, den französischen Wünschen Gehör zu geben, welche aufeine Vereinigung der Kronen Frankreichs und Deutschlands gerichtet waren.Für Karl von Sicilien und für Frankreich selbst bot eine solche Union unleug-bare Vorteile; Philipp III. trat, aufgefordert von Karl und der französischenPartei im Kardinalkollegium, wegen der Kaiserkrönung in Unterhandlung
1) Gregors Schreiben v. 16. Sept. 1272 s. bei UuMglck, annalss soolss. n. a>.1272. ZZ 33 — 38. und bei Rüsinsr, Lock. äiplom, clorriinü. tsmpor. 8. ssäis I, 175vgl. Kopp I, 1, 78. Löllinsr-Vivksr, Leg. iinx.V, 2. no. 5521. 2) 6ss1u Usn-
rioi nrob. I'rsver. 58 >M. U. 88. XXIV, 452); er erlangte den günstigen Spruch(v. 21. Sept.) vornehmlich durch die Fürsprache der Kardinäle Ottobonns Fieschi undSimon de Brisn, 8er unbedingten Anhänger Karls von Anjou, dem vor allem an demBekanntwerden der päpstlichen Entscheidung gelegen war; v. d. Ropp, 63 und Heller,Deutschland und Frankreich in ihren politischen Beziehungen vom Ende des Inter-regnums bis zum Tode Rudolfs von Habsburg. Gott. 1874, S. 29flg. Ob Heinrichin Karls Pläne bezüglich einer französischen Kandidatur eingeweiht war, muß dahin-gestellt bleiben. — Über die Zeit der Rückkehr Heinrichs s. v. d. Ropp, 63, A. 1.3) Vgl. lVittoannii, Nonninsntn IVittsIsbaoensia, 1, 262 flg. 4) IVIttroanii a. a. O.264. 5) Non. 6l. II, 382 flg. 6) v. d. Ropp, 68 flg. Sie erfolgte am 13. Juli,
Böhmer, Wittelsb. Reg. S. 35. Log. imx., Reichssachen 106.