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Geschichte des Mittelalters / bearb. von Horst Kohl. Dritte Periode (1096-1273).
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gegeben wurden, waren nur ein dürftiger Ersatz für das Verlorene?)Regelmäßig wiederkehrende Ausgaben der Städte waren die für Erhaltungder Wehrfähigkeit und die für Verkehrszwecke, welche natürlich nicht jedesJahr gleich waren, sondern in ihrer Höhe sich nach den wechselnden Be-dürfnissen richteten; ferner die für Gesandtschaften und für Besoldungder städtischen Beamten. Größer als die regelmäßigen Ausgaben warendie außerordentlichen, die oft das Budget der Stadt in völlige Verwirrungbrachten, die Ausgaben für Kriegszüge oder Fehden, Schadenersatzleist-ungen, Privilegienkäufe u.a.m?) Da es nicht möglich war, durch immer neueAngelder die Bürger zu drücken, so sahen sich die Städte genötigt, Schuldenzu machen. Gebessert wurden sie dadurch freilich nicht; sie verloren nichtallein ihre Renten und Gefälle durch Verpfändung an die Gläubiger, son-dern bürdeten sich auch Lasten auf, deren sie nie wieder ledig werden konnten.

Achtes Kapitel.

Geschichte der deutschen Jause?)

§ 48 .

Die ausländischen Genossenschaften deutscher Kaufleute und ihrEinfluß auf die Einungen der Städte.

Was für die italienischen Städte des Mittelalters das mittelländischeMeer, war für die Städte des Nordens das in ein Ost- und Westbecken geteilteNordmeer. Schon früh hat der Verkehr auf der Ostsee begonnen. Die zahl-reichen Münzfunde längs der beiden Handelsstraßen, welche vom schwarzen

1) Arnold II, 271. 2) Arnold II, 272. 3) Urkundliche Quellen zur

Geschichte der Hanse: Hansisches Urkundenbuch, bearbeitet von K. Höhlbanm,Bd. i3. Halle 18761884. Die Recesse und andere Akten der Hansetagevon 1256 1430, herausgeg. durch die historische Kommission bei der k. Ak. d. W.zu München, bearbeitet von Koppmann, Bd. 1 5. Leipz. 1870 1880; Hanse-recesse von 1431 1476, bearb. von G. Freih. v. d. Ropp, Bd. 1 4. Leipz. 1876bis 1883; Hansereceise von 1477 1530, bearb. von D. Schäfer, Bd. 1 u. 2.Leipz 18801883. Hansische Geschichtsblätter, herausgeg. vom Verein sürhansische Geschichte, Jahrg. 110. Leipz. I87lflg.Litteratur: Sartorius,Geschichte des hanseatischen Bundes. 3 Bde., Gott. 1802 1808 .LappenbergUrkundliche Geschichte des Ursprungs der deutschen Hanse. 2 Bde. Hamb. 1830.Barthold, Geschichte der deutschen Hansa. 3 Bde. Leipz. 1853 n. 1854. NeueTitelausgabe 1862. Schlözer, Die Hansa und der deutsche Ritterorden in denOstseeländern. Berl. 1851. D. Schäfer, Die Hansestädte und König Waldemarvon Dänemark. Hansische Geschichte bis 1376. Jena 1879. Denicke, Die Hanse-städte, Dänemark und Norwegen von 1369 1376. Halle 1880. Harttnng,Norwegen und die deutschen Seestädte bis zum Schlüsse des 13. Jahrhunderts.Berl. 1877. Hoffmann, Über allgemeine Hansetage in Lübeck. Progr. desKatharineums zu Lübeck. 1884. Das Wortbansn" bedeutet da, wo es zuerstgebraucht wird, in Ulfilas' Bibelübersetzung, soviel wie streitbare Schar; im Mittel-alter verblaßte die Bedeutung des Wortes, so daß man unterHanse" eine Ge-nossenschaft verstand, welche zur Erreichung gemeinsamer Ziele sich verbunden hatte.Im engeren Sinne gebrauchte man das Wort von den Gesellschaften deutscher Kauf-leute im Auslande, welche sich zu Schutz und Trutz und zu gemeinsamem Betriebedes Handels in ihren Faktoreien zusammenthaten- Die Bezeichnung übertrug sichdann auf den Bund norddeutscher Städte, mit deren Lebensinteressen der Handelin den der Ost- und Nordsee anliegenden Ländern aufs engste verbunden war.