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aus zweiter Ehe zu Erben Albrechts ernannt und schon bei Lebzeiten des-selben als Mitbesitzer der Wartburg anerkannt wurden?) Aus Bitten derEisenacher sandte der König bei Eintritt der besseren Jahreszeit^) einenGrasen von Weilnau nach Thüringen, der unterstützt von seinem Bruder,dem Abte von Fulda, das Land weithin verheerte, auch die Wartburg be-lagerte, dann aber selbst von den Truppen des Markgrasen gesangen ge-nommen wurde?) Bald nachher, am 31. Mai, erlitt auch das Heer des Königs,das unter dem Oberbefehl des Küchenmeisters Heinrich von Nortenbergim Osterlande stand, bei Lucka unweit Altenburg durch Friedrich undDiezmann eine vollständige Niederlage: Heinrich von Nortenberg selbstwurde gefangen?) Dieser Schlag erschütterte die Stellung Albrechtsbedenklich. Kaum war die Kunde davon zu ihm gedrungen, so brach er,vom Mainzer Erzbischofe Peter von Aspelt begleitet, aus den Rhein-gegenden auf und von Nordwesten her in Thüringen ein. Im Lager vonMühlhausen (25. Juli) wurde Landgraf Albrecht von den Fürsten verurteilt,die beiden vonAdolf ihm einst verpfändeten Reichsstädte Mühlhausen und Nord-hausen zurückzugeben. Um selbst aller weiteren Sorgen und Mühen enthobenzu sein, dankte er zu Gunsten seiner Söhne ab, behielt sich jedoch die land-gräfliche Würde vor?) Eben stand König Albrecht im Begriff, den Feld-zug in Thüringen selbst zu eröffnen, als ihn neue Verwicklungen nach Böhmenriefen und abermals zur Aufgabe seiner Unternehmung nötigten. Am 4. Juli130 ? 6 ) mar König Rudolf von Böhmen bei der Belagerung von Horaz-diowitz, dem Sammelpunkt der kärntnischen Partei, eines plötzlichen Todesgestorben, ehe noch die Krönung an ihm vollzogen worden war. Dies Er-eignis warf alle Pläne Albrechts über den Haufen. Die kärntnische Parteientfaltete solche Thatkraft, daß sie den Sieg über den Habsburger davon-trug. Als Albrecht Anfang September über Eger in Böhmen einrückte,war schon alles verloren. Rudolf hatte es nicht verstanden, sich die Herzendes tschechischen Volkes zu gewinnen. Man fürchtete von ihm eine Begünsti-gung des Deutschtums auf Kosten der Böhmen und begrüßte deshalb seinenTod als die Befreiung von der drohenden Gefahr der Unterdrückung tschechi-scher Nationalität?) Der Reichsmarschall Tobias von Bechin büßte seinenVersuch, aus Grund des Vertrags von Znaim Rudolfs Bruder Friedrich zurAnerkennung zu bringen, mit dem Tode. Vor der nun ausbrechenden Deutschen-hetze verließen die Österreicher und ihre Freunde das Land. Die nationalePartei aber rief Heinrich von Körnten zurück und proklamierte ihn am15. August als König?) Er suchte naturgemäß die Bundesgenossenschaft der
1) Mitgeteilt bei Wegele, S. 445, Urkunde Nr. 78. 2) in gunärnAssimn
(8. Febr. bis 25. März 1307). Obryn. 8ninx. 1. o. 3) Obr. 8ninp. 148. 4) 6br.
8nmx. 1. o. Andere Quellen bei Wegele 284flg., A. 2. 5) Wegele 287. 6) Nicht
am 3., wie die Chronisten angeben; am 4. nrknndet Rudolf noch vor Horawitz(kurier II, no. 2133). 7) dirron. ^nlas Karins I, 86 (p. 215): Nortno Un-
ciolko-knotn trat Istioin nrnAnn in atnlto xopnlo st in vnl^o. Rnntnrn
nnnrgns n proxrin urnlioin s-o sosisrio onIiZios insntss gnornnäain boininnrnsxoneontns knsrnnt, gnocl nck istnnr Unckolknin prinoipenr pnoiüornn äilsotionsinbnbers non potsrnnt, secl tantnin nt rsäsnt Usinrions clnx Obnrintbins ntksoti-kns no preoibns xostnlnnt st sxornnt. 6bron. krnno. I'rnA. I, 19 (S. 73) nenntRudolf Asntis Lobsnrions snsvns psrasontor. 8) 6bron. ^.ulns ksA. 1. o. (x. 216).Ottokar, Reimchr. Kap 783 flg. tibron. 8ninp. 148. Vgl. Kurz, Österreich u. s. w.I, 312flg. Palacky, Gesch. v. Böhmen II, 2, 51 flg.