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los, denen er seine Wahl verdankte. Zwei Tage nachher antworteten dieletzteren mit der Wahl eines anderen Papstes. In Fundi, wohin sie sichvon Anagni begeben hatten, wählten sie den Kardinal Robert von Genf,der unter dem Namen Klemens VII. die Tiara annahm. Die drei Italienerhatten der Wahl beigewohnt, ohne ihr zuzustimmen oder gegen sie Ein-spruch zu erheben. Sie trennten sich aufs neue von ihren Gefährten undbegaben sich erst nach Sessa und dann nach Tagliacozzo in die Burg desKardinals Orsini. Nach dessen Tode 1380 erklärten sich die beiden über-lebenden sür Klemens VII?)
Kardinal Robert war seiner Natur nach so recht geschaffen, der Führereiner revolutionären Partei zu sein. Ein Mann in der Blüte der Kraft —er war 36 Jahre alt — und von eiserner Festigkeit, kannte er keine Rück-sicht, wenn es galt, einen einmal gefaßten Plan auszuführen. Sein Namewurde in Italien mit Grauen genannt, seitdem er als Legat im Jahre 1377einen Ausstand der Bewohner von Cesena mit Hilfe seiner Söldner in Strömenvon Blut erstickt hatte. Aber er besaß Vorzüge, die Urban fehlten. Erhatte eine gewinnende Art im persönlichen Umgang, war ein Weltmann, derzu leben verstand, und durch seine Abkunft — er war ein Bruder des Grafenvon Genf — an fürstlichen Höfen kein Fremdling?)
Urbans Lage war nicht unbedenklich, zumal er in Rom selbst nicht voll-ständig Herr war, da die Engelsburg sich in den Händen einer französischen Be-satzung befand. Sein Gegner hatte Bretonen in Dienst genommen und unter denOberbefehl seines Neffen, des Grafen Montjoie, gestellt; um ihm gewachsen zusein, nahm Urban die ganz aus italienischen Abenteurern zusammengesetzteBande des Alberigo da Barbiano in Sold und sandte sie im April 1379wider den Feind, der Marino belagerte. Am 29. April trug hier Alberigoeinen glänzenden Sieg über die Bretonen davon; an demselben Tage kapitulierteauch die Engelsburg?) Diese Erfolge änderten die Lage zu Gunsten Urbans.Klemens VII. fühlte sich in Anagni nicht mehr sicher und begab sich eilignach Neapel, wo ihn Königin Johanna mit allen Zeichen der Ehrerbietungempfing. Doch belehrte ihn ein Aufstand des Volkes, daß er in der Stadtnicht bleiben könne, und so schiffte er sich nach Avignon ein, wo er am 10. Juniseinen Einzug hielt und von den hier lebenden Kardinälen mit feierlichemGepränge empfangen wurde.
Das Schisma war da; seine lange Dauer wurde durch die europäischenMächte verschuldet, die den schweren Nachteil, welcher dem kirchlichen Lebenaus der Spaltung erwuchs, gering achteten gegen die weltlichen Vorteile,welche die Fortdauer derselben versprach. Die Gerechtigkeit hätte die An-erkennung Urbans VI. gefordert, dessen Wahl in kanonischer Form erfolgtund darum unanfechtbar war. Aber die Stellung der Könige von EnglandFrankreich und Deutschland zur kirchlichen Frage wurde eben nicht durch die Er-wägung von Recht und Unrecht, sondern allein durch politische Rücksichten be-stimmt. Karl V. von Frankreich, der die Rückkehr der Kurie nach Avignonwünschte, erklärte sich alsbald für Klemens VII., Richard II. von Eng-land dagegen erkannte aus Feindschaft gegen Frankreich den römischen Papstan. Um Deutschlands Freundschaft hatte sich der letztere bemüht, als seine
1) OrstAbtov 65. 2) S. die xriwg. vitg. Llsrosutis VII. bei iösluno I, 537.
^gl> Lindner, D. G. I, 85. öreiglllon 65. 3) OrsiZlltou 66 flg.