II. Klasse.
Nacktsamige Blütenpflanzen.
60. Familie: Nadelhölzer (Zapfenfrüchtler).
Die gemeine Kiefer oder Föhre (Tafel, Seite 176) ist der verbreitetsteNadelbaum Europas. Von den Gebirgen Spaniens und Oberitaliens bis nachLappland und Sibirien bildet sie ausgedehnte Wälder, wächst am besten auffeuchtem Sandboden, ist sehr anspruchslos und kommt noch in Gebietenvor, wo wegen des schlechten, trockenen Bodens kein anderer Waldbaummehr gedeiht. Ihre äußere Form ist verschieden, je nachdem sie in ge-schlossenem Bestände oder einzeln wächst. Im ersten Falle wird sie bis40 m hoch, wirft die unteren Aste ab und die oberen bilden nur einekleine schüttere Krone. Im zweiten Falle breiten sich ihre Äste weit ausund es entsteht eine schirmähnliche oft stufenförmig gegliederte Krone(vergl. Abb. 150). Beide Ausbildungsweisen hängen mit dem großen Licht-bedürfnis der Blätter (Nadeln) zusammen, welche bei Lichtmangel sehrbald absterben.
Eine kräftige, tief in den Boden dringende Pfahlwurzel mit starkenNebenwurzeln befestigt den Baum und saugt auch das nötige Wasseraus der Tiefe, von dem der Nadelbaum weniger als ein Laubbaum bedarf,weil die dünnen Nadeln viel weniger verdunsten, als die breiten Blätter.Der unregelmäßig verästelte Stamm hat unten eine dicke rissige Kinde(Borke), weiter oben und an den Asten ist die Rinde glatter, rotbraun und löstsich in dünnen Schichten ab. Das weiche, harzreiche Holz ist ein gutesBrennholz und, weil es nicht schnell fault, ein brauchbares Bauholz.
Die schmalen, spitzen Blätter, Nadeln genannt, stehen immer paar-weise auf einem sehr kurzen Seitenzweig (Kurztrieb), sind am Querschnittehalbrund, mit der flachen Seite aneinander gelegt und werden am Grundevon braunen Niederblättern scheidenartig umhüllt. Sie sind sehr festund derb, enthalten in langgestreckten Hohlräumen Harz und können dreiJahre lang aushalten, weshalb der Baum auch im Winter grün erscheint.
Die Kiefer ist einhäusig, Staub- und Stempelblüten kommen aufdemselben Baume vor. Am Grunde von rasch in die Länge wachsendenZweigen (Langtrieben) stehen die zahlreichen, kätzchenähnlichen Staub-blüten. Jede trägt auf der weichen Spindel dicht aneinander gedrängteschuppenartige Staubblätter, an deren Unterseite zwei Pollenfächer sind,welche beim Aufspringen den hellgelben Pollen entleeren. Die Pollenkörner