Buch 
Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
Entstehung
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Aber Wege und Ziele des Geschichtsunterrichts.

Das vorliegende kleinere Geschichtslehrbuch hat eine doppelte Bestim-mung: es soll den Zöglingen der Gelehrtenschulen das weite Gebiet ge-schichtlicher Ereignisse in großen Umrissen zur Anschauung und zum Bewußt-sein bringen, und soll zugleich den Schülern aller solcher Anstalten, welchekeine gelehrte oder wissenschaftliche Ausbildung erstreben, die für ihre Bildungund künftige Lebensstellung entsprechenden und genügenden geschichtlichenKenntnisse bieten.

Von der Ansicht geleitet, daß ein geschichtliches Lehrbuch nur dann seinemZweck entspreche, wenn es das Interesse der Schüler wecke, ihre Wißbegierdeanrege, ihren Forschungstrieb sporne, habe ich den geschichtlichen Stoff allent-halben in eine erzählende Darstellung gekleidet, und der Darstellung selbstKlarheit, inneren Zusammenhang und Lebendigkeit zu verleihen gesucht. MeinStreben ging dahin, die weltgeschichtlichen Ereignisse in ihren hervorragendenErscheinungen "und entscheidenden Momenten so-zusammenzufassen, daß derLeser ein anschauliches Bild davon,erhalte, daß die wichtigen Begebenheiten inihren Ursachen und Wirkungencheraustreten und sich Lo der Phantasie und da-durch auch dem Gedächtnisse d auerhaf ter einprägen. Weit entfernt also, dengewöhnlichen Weg der Kompendien, Handbücher und Grundrisse einzuschlagen,und durch Anhäufung des Stoffes auf möglichst kleinem Raume ein register-artiges Gerippe von historischen Thatsachen als Anhaltepunkt für das Ge-dächtnis zu schaffen, suchte ich vielmehr den Stoff zu begrenzen und rmr dasWichtigste und Entscheidende in geschichtlicher Folge, mit strenger Beobachtungder Sprach- und Denkgesetze aufzunehmen. Die bloßen historischen Thatsachenmit Namen und Jahrzahlen haften weder in dem Gedächtnisse, noch haben siebelehrende und bildende Kraft; nur wenn die geschichtliche Begebenheit in Zu-sammenhang gebracht wird mit andern Erscheinungen, so daß die Einbildungs-kraft und das Denkvermögen dabei thätig sind, prägt sie sich dem jugendlichenGeiste dauerhaft ein. Wird nun noch die Phantasie angeregt durch lebendigeVorführung der großartigen welthistorischen Begebenheiten, durch die Hervor-hebung einzelner gewaltigen Gestalten, die in den Mittelpunkt der Thaten undEreignisse treten, durch kurze Schilderungen und Charakterzeichnungen voll sinn-licher Anschaulichkeit, so wird auch das Interesse wachgerufen und eine gewisseBegeisterung für chi? große Welt der Geschichte,in der Jugend geweckt. Ohnediese Begeisterung für die geschichtlichen Großthaten. ohne die'Ehrfurcht vorder historischen Erscheinung entbehrt der Geschichtsunterricht seiner bildendenund veredelnden Einwirkung. Mein Bestreben hinsichtlich der formellen Be-handlung war ferner darauf gerichtet, die Erzählung, in welche ich die wich-tigsten Welthistorischen Begebenheiten kleidete, so viel als möglich an hervor-