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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
Entstehung
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Vorrede.

ragende Gestalten anzuknüpfen, d. h. wo es ohne Zwang geschehen konnte(namentlich in der alten und mittleren Geschichte), biographisch zu verfahren,Stil und Darstellung so einzurichten, daß die großartigen und bedeutenderenEreignisse schon in der Form durch ge hobenere Sprache und Schilderung her-vortreten, daßzn der Behandlung^und Haltung, übereinstimmend mit der zu-nehmenden Reife der Schüler, ein allmählicher Übergang und stetes Fortschreitenvom Leichteren zum Schwereren stattfindet, daß das Verständnis durch Genauig-keit und Bestimmtheit des Ausdrucks, durch Kürze der Sätze, durch Vermei-dung alles Störenden und Ablenkenden m der Erzählung erleichtert wird.Ich war bemüht, das geschichtliche Lehrbuch zugleich zu einem geschichtlichenLesebuch zu gestalten, ohne dadurch dem historischen Stoff Zwang anzuthunoder die Thatsachen über Gebühr zu schmälerm.

Zur Ergänzung des Vorstehenden sei es mir gestattet, die Auszüge einesVortragsüber die Weltgeschichte als Lehrgegenstand an höheren Bildungs-anstalten" anzuschließen, den ich Vorjahren in einer Versammlung von Pro-fessoren und Lehrern aus dem Kreise der Mittelschulen zu halten Gelegenheithatte:

^ Die Geschichte ist das Feld, auf dem ich Jahrzehnte lehrend und schreibendthätig War; sie ist der reiche Schacht, aus dem fort und fort neue köstlicheSchätze errungen werden können, sie ist die Quelle, aus der ich selbst den Lebens-trankssür mein inneres Glück geschöpft, die ich wieder mit warmer Liebe derempfänglichen Seele der Jugend einzuziehen gesuchtchäbe. '

^ Daß der Geschichtsunterricht an den meisten Anstalten zu den schwächstenStücken gehört, und daß die historischen Kenntnisse der Schüler mit den Er-gebnissen der übrigen Lehrgegeustände nicht im Verhältnis stehen, ist eine fastallgemein anerkannte Thatsache, daher auch seit einer Reihe von Jahren dieverschiedenartigsten Vorschläge aufgetaucht sind, wie diesem Grundübel abge-holfen werden könnte.^Bald meinte man auf dem rechten Wege zu sein, wennman die Weltgeschichte vom Standpunkte der Kultur behandle, so daß diehistorischen Ereignisse und Gestalten nur als Unterbau und Strebepfeiler fürdie Schatzkammer kulturgeschichtlicher Ergebnisse dienten; bald wollte man imGegensatz zu dieser musivischen Arbeit die Weltgeschichte als eine Summe vonThaten, namentlich Kriegsthaten auffassen und alles Zuständliche, mithin fastdie ganze morgenländische Welt, von ihrem Bereiche ausschließen und anderenLehrgebieten zuweisen-» Der eine meinte, man solle die Geschichte anfassen, wiedie klassischen Sprachen, indem man einzelne Teile zur gründlicheren Behand-lung und Erläuterung ausscheide, um an ihnen zu zeigen, wie der Schülerdurch eigenes Studium die übrigen Gebiete ergänzen könne, um, wie bei derLektüre der Klassiker die Sprachgesetze und grammatischen Formen, so hier-durch partielleVertiefung" die Gesetze der historischen Forschung und Kritikzur Erkenntnis zu bringen. 6 Gegenüber dieser formalen Methode meintenandere, der Geschichtsunterricht habe den Zweck, dem Schüler eine Summehistorischer Kenntnisse und Thatsachen so einzuprägen, daß er sich jederzeit aufdem weiten Felde der Welt- und Völkergeschichte zurecht zu finden wisse, eskomme weniger auf die historische Bildung, die nur von wenigen benutzt undweiter entwickelt werden könne, an, als auf die sichere Aneignung und Er-kenntnis fester geschichtlicher Wahrheiten, die dem Schüler bei allen Gelegen-heiten zu Gebote'ständen und einen scharf begrenzten Rahmen bildeten, in dener dann im Laufe seines Lebens die weiteren Errungenschaften einfügen möchte.^ Nach dieser Ansicht, in ihrer schärfsten Prägung betrachtet, müßte der Unter-- richt in der Schule darin bestehen, daß der Schüler ein nach der Zeitsolge zu-sammengestelltes Namen- und Sachregister auswendig lerne und darin durch