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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
Entstehung
Seite
VII
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Vorrede.

VII

ist zwar der erfolgreichste, aber auch der mühsamste, und nicht jedem ist es vomSchicksale vergönnt, gleich anfangs auf den Posten gestellt zu werden, der seinerNatur am angemessensten ist, nicht bei jedem spricht die innere Stimme so lautund vernehmlich, daß er sogleich den richtigen Weg erkennt und beschreibt. Insolchen Fällen sind äußere Hilfsmittel und zweckmäßige Anordnungen eineheilsame Stütze.

Ich habe schon früher bemerkt, daß der Geschichtslehrer nicht nur nachdem Inhalte, sondern auch in der Form die Ehre und Würde der Weltgeschichtezu wahren habe, daß er an die überlieferte Anordnung und Einteilung miteiner gewissen Pietät herantreten, daß er Scheu tragen müsse, die großartigeund imposante Gestalt des weltgeschichtlichen Körpers zu zerschneiden und zuentstellen. Die Weltgeschichte ist keine rohe chaotische Masse, die erst der ord-nenden und gestaltenden Hand bedürfte, um in ihren Teilen und Gliedern sicht-bar zu werden. Seitdem man angefangen hat, die Thaten und Schicksale dernach Völkern gesonderten Menschheit aufzuzeichnen und neben einander zustellen, haben sich gewisse Formen und Gesetze geltend gemacht, die von Ge-schlecht zu Geschlecht fortgepflanzt ein ehrwürdiges Ansehen erhalten haben.Diese Formen und Gesetze sollen nicht willkürlich beiseite geschoben werden.Wir brauchen nicht wie zu einem religiösen Glaubensartikel unbedingt zu den-selben zu schwören, aber wir sollen nicht die Gebilde der Willkür oder subjek-tive Auffassungen und Einfälle an ihre Stelle setzen. Die Weltgeschichte in ihrerumfassenden Gestaltung und kunstvollen Einkleidung ist eine Schöpfung derdeutschen Nation. In oie Mitte von Europa gestellt und von der Natur mitdem weltbürgerlichen Zuge ausgerüstet, auch das Fremde und Feindliche mitdem Maßstab der Humanität, der Gerechtigkeit und der Nächstenliebe zumessen, scheint das deutsche Volk vom Schicksal bestimmt zu sein, das Gebietder Universalgeschichte vorzugsweise anzubauen und zu Pflegen. Diese kultur-geschichtliche Mission der deutschen Nation soll auch jedes Lehrbuch der Welt-geschichte an der Stirne tragen, soll auch jeder Geschichtslehrer stets vor Augenhaben. Wie schwer es auch fallen mag, in den einzelnen Ereignissen der Ge-schichte die gesetzliche Notwendigkeit nachzuweisen, so kann doch nicht geleugnetwerden, daß in dem großen Entwickelungsgänge der Menschheit, wie ihn dieWeltgeschichte vorführt, eine gesetzliche Ordnung zu Tage tritt, nach der imReiche des freien Menschengeistes eine ähnliche Naturnotwendigkeit sich er-kennen läßt wie in der äußeren Welt. Und diesen gesetzlichen Hergang derhistorischen Ereignisse, wie er in der Wirklichkeit eingetreten ist, soll das ge-schichtliche Lehrbuch auf den ersten Blick erkennen lassen; dieser naturgemäßeEntwickelungsgang der Universalgeschichte darf keinem willkürlichen Systeme,keiner künstlichen Methode oder haltlosen Schlußfolgerung geopfert werden.Die Weltgeschichte ist eine Ausstellung, wo alle Nationen ihre edelsten Güter,ihre wertvollsten Erzeugnisse dem Wettbewerb vorführen, und wo keiner diegebührende Stelle versagt werden darf. Auch das unscheinbarste Lehrbuch derWeltgeschichte muß ein Schatzhaus darbieten, wo, wie einst im griechischenDelphi, alle Völker und Staaten ihre Weihegeschenke und Ehrengaben aufstellenkönnen.

Als ich mich anschickte, aus der Vorratskammer meiner historischenStudien und Kenntnisse ein zusammenfassendes Bild des weltgeschichtlichenVerlaufes der menschlichen Dinge zu entwerfen und zu gestalten, hatte ichkeine andere Absicht, als das, was ich selbst warm in der eigenen Seele em-pfand, der deutschen Jugend in das Herz zu gießen, und zugleich mit demgleichgestnnten deutschen Geschichtslehrer em Wort freundschaftlicher Ver-ständigung auszutauschen. Mein Zweck wurde über Erwarten erreicht. Nicht