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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Geschichte der alten Welt. 8. 5.

der Bildung eines Volkes. Die Griechen veranstalteten ihren Göttern, dieste sich als vollkommnere (idealisierte) Menschen dachten (Anthropomorphismus),fröhuche Feste, an denen sie die dargebrachten Früchte und die geopfertenTiere, von der geringen Gabe der Erstlinge bis zu der großen Opferfeier vonhundert Stieren (Hekatombe) im Freundeskreise verzehrten, indes wilde oderhalbcivilisierte Völker auf ihren Altären Menschen schlachteten, um durchdie größte und wertvollste Opfergabe die Himmelsmächte zu bewegen, sich derbittenden Menschheit gnädig zuzuwenden, oder wenn sie zürnten, sie zu ver-söhnen; und die phönizischen und syrischen Stämme legten das Teuerste, wassie besaßen, sogar ihre eigenen Kinder, als Sühnopfer in die Arme einesglühenden Götzenbildes, Moloch genannt. Wohl sollte das Götterbild nurdas sinnliche Zeichen eines übersinnlichen Begriffes oder einer unsichtbarenKraft sein, aber im Volksglauben verlor sich häufig die höhere Bedeutung undman zollte den leblosen Bildnissen selbst Verehrung. Nur die Priester undWeisen kannten den tieferen Smn, allein sie teilten ihn dem Volke nicht mit,sondern hüllten ihn in Geheimlehren und bewahrten ihn als Sondergutihres Standes. Zu diesem Zweck erfanden sie viele Sagen, Erzählungen undFabeln von den Göttern, denen sie dienten, kleideten sie in dichterische Formenund begründeten somit die Mythologie oder Götterlehre, worin die Thatenund Schicksale der verschiedenen Gottheiten und zugleich die Verhältnisse derMenschen zu denselben dargestellt sind, aber nicht in klarer, verständlicherSprache, sondern eingehüllt in rätselhafte Andeutungen, allegorische Erzäh-lungen und bildliche Rede. Je mehr ein Volk schöpferische Ernbildungskraftbesitzt und dem Göttlichen zugekehrt ist, desto reicher ist seine Mythologie. Inden heiligen Mythen spiegelt sich das innere Lebm jugendlicher Völker ab, da-her sie auch eine reiche Quelle der Kunst und Poesie geworden sind. Dientendie Göttersagen hur Erzeugung des Aberglaubens im Volke, so war der feier-liche Kultus mrt seinm geheimnisvollen Ceremonieen und seinen sinn-bildlichen (symbolischen) Gebräuchen in den geweihten Räumen desTempels daraus berechnet, das Volk in Ehrfurcht und heiliger Scheu zu er-halten; und um den Glauben an die Nähe und an das Eingreifen der Götterin die menschlichen Angelegenheiten fester zu begründen, wurden angeseheneTempel und geheiligte Orte mit einem Orakel versehen, wo das gläubigeVolk in dunkeln, vieldeutigen Aussprüchen Belehrung über die Zukunft undRat in bedenklichen Zeitlagen einholen konnte. So wurde der menschlicheGeist in seinem Suchen nach der göttlichen Wahrheit vielfach irre geleitet undbald durch blendende Kultusformen, bald durch toten Gesetzesdienst umstrickt,die Sehnsucht des Herzens nach den übernatürlichen Mächten auf das Sicht-bare und Sinnliche abgelenkt.

Morgenlandische Völker.

1. Orientalisches Wesen.

ß.5. Asien, von seiner Lage Morgenland (Orient) genannt, ist dieWiege des Menschengeschlechts. In den reizenden Gegenden des Himalajah-Gebirgs, jenes mächtigenSchneepalastes", dessen Gipfel sich in den Wolkenverlieren, in dessen geschützten Thalungen blühende Landschaften mit einemglücklichen Klima sich ausdehnen, find die paradiesischen Urfitze zu suchen. ImMorgenlande entstanden zuerst jme großen Staaten und Städte, von denendie andern Länder einen Teil ihrer bürgerlichen Einrichtungen, ihres Re-ligionswesens und ihrer Bildung überkamen und die man daher Kultur-Staaten nennt; im Morgenlande, wo das Kamel,das Schiff der Wüste",