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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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Geschichte der alten Welt. §. 13.

auf den Schriftrollen antrifft, welche die Ägypter aus der Wasserpflanze Papy-rus verfertigten, teils auf den Obelisken, oder vierkantigen, aus einem einzigenGranitblock gehauenen Spitzsäulen, die mit Inschriften versehen vor den Bor-hallen der Tempel aufgestellt waren. Schon zur Zeit der Griechen ist Ägyptender Gegenstand der Bewunderung und Wißbegierde gewesen und ist es bis aufden heutigen Tag geblieben. Davon zeugen die elf Obelisken und die zahllosenägyptischen Bildwerke aus dem härtesten Gestein, die sich noch jetzt in Rombefinden, sowie die große Menge von Mumien, altertümlichen Gerätschaften,Zierat, Schmuckwerk, Paphrusrollen und dergl., die man in allen Museenund Naturalienkabinetten Europas antrifft. Aber wie sehr man auch dieAusdauer, Kunstfertigkeit und Geschicklichkeit der Ägypter bewundern mag,dennoch bemerkt man überall den Mangel freier Entwickelung, schöpferischerThätigkeit und persönlicher Freiheit. Der Fluch des königlichen und hierar-chischen Despotismus lag auf jeder Lebensäußerung, der Aberglaube undReligionsdruck verlieh dem Dasein einen düstern Anstrich. Die Abbildungenlassen uns in ein Dasein ohne männlichen Lebensmut blicken, in welchem Tages-genüsse und Todesgedanken abwechseln.

*) Doch ist dies irrig. Die Benennung Pharao stammt von Per-aagroßes Haus'd. i. Palast, eine Bezeichnung, die anhohe Pforte" erinnert.

Z. 13. Am Eingang des Delta, da wo sich der Strom in mehrere Armespaltet, bestand der uralte Staat, dessen Mittelpunkt die Stadt Mcmphis war.Nach Mcnes, dem angeblichen Gründer der Stadt, sind Cheops und MörisCve°»s' die bekanntesten Königsnamen; der erstere als Erbauer der größten 450 Fuß°'Müus' hohen Pyramide, an welcher, wie es heißt, 100000 Menschen vierzig Jahressoo. i^ng gearbeitet haben; der letztere berühmt wegen des von ihm angelegten undnach ihm genannten Seees, der zur Regelung der Nilübers.chwemmungen2 ioo. gedient zu haben scheint. Bald nach Möris' Tod, erzählen die Ägypter, fielenwandernde Stämme aus Syrien und dem nördlichen Arabien in das Nillandein, unterjochten das Reich und herrschten hart und gewaltthätig über daszinspflichtige Volk. Über fünfhundert Jahre dauerte diese Zwingherrschaft desiL8v. Hirtenvolks der Hyksos, bis endlich einigen Königen von Oberägypten (Theben)die Befreiung des Landes gelang.Von da an war dashundertthorige" Thebender Herrschersitz der Pharaonen, unter denen Ramses der Große, den dieGriechen Sesostris nannten, am berühmtesten ist. Er machte die Äthiop enEs. zinspflichtig und drang mit seinen Heeren und Streitwagen siegreich nachSyrien, Kleinasien und Mesopotamien vor. Dabei hat er sein Reich mitKönigspalästen und Tempelbauten geschmückt, deren einstige Pracht und Herr-lichkeit sich noch jetzt aus den zerbrochenen Säulen und aus den großartigenTrümmern von Statuen und Bildnerwerk erkennen läßt. Ramses-Sesostrisgestaltete sich zu einem halbmythischen Sammelnamen, auf welchen das Alter-tum die Großthaten von Vater und Sohn während eines ganzen Jahrhundertsübertrug. Wer auch Thebens Macht ging vorüber. Äthiopische Königedrückten das obere Land mit ehernem Fuß, in Unterägypten erlangten dieassyrischen Machthaber die Obergewalt und erhoben von Statthaltern undUnterkönigen Zins. Erst nach Asurbanipal ging die Periode assyrischer Ob-macht, die man als Herrschaft der Zwölfe (Dodekarchre) bezeichnet, zu EndeAch S 7 «- (8- 9). Im siebenten Jahrhundert erlangte Psammctich von Sais inUnter-<u«. ägypten mit Hilfe ionischer und karischer Söldner die Oberherr-schaft über das ganze Land. Um seinem Thron festere Stützen zu gewinnen,trat er mit den Griechen in Verbindung und nahm hellenische Söldner undAnsiedler in Ägypten auf. Erbittert über diese Neuerung, wanderten über200000 Ägypter aus der Priester- und Kriegerkaste nach Nubien aus undgründeten dort den Priesterstaat Merve, dessen Lage am obern Nil noch jetzt