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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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T. Morgenländische Völker.

rinths, eines aus vielen in einander laufenden Kammern, Höfen, Vorhallen undGängen bestehenden Reichspalastes, und die Gruppen von Pyramiden auf deröden, einsamen Felsenplatte am Saume der Wüste, die noch heutzutage alsWunder einer kühnen und mächtigen Baukunst angestaunt werden. Gleich nachrhrem Regierungsantritt fingen nämlich dieKönige den Bau des Felsengrabes an,m dem ihre Leiche einst ruhen sollte, befestigten es durch Steinblöcke und Mauer-werke gegen den Andrang der Wüstenstürme und vergrößerten es im Laufe derJahrevon außen durch umgelegte Steinmäntelin dieBreite und Höhebis zu einemkünstlichen Steinberge. Je länger die Regierung dauerte, desto größer wurden da-her die Phramidengräber der Könige von Memphis. Unterhalb Memphis, wodas Nordland oder ünteräghpten beginnt, teilt der Nil seine Wasserfülle inzwei Haupt- und mehrere Nebenarme und erweitert das Thal zu einer ausge-dehnteren Ebene, wo fruchtbare Gefilde mit grasreichen Fluren abwechselnund Palmenwälder die Ufer schmücken, bis er, das Marschland und den Dünen-streif durchbrechend, seine.Fluten im Meere begräbt. Dies ist das Delta,dessen hohe Fruchtbarkeit Ägypten zur Kornkammer der alten Welt machte.Hier lagen außer der altenSonnenstadt" Heliopölis, die aber später vonAlexandrra verdunkelt wurde, die geschichtlich merkwürdigen Orte Sais.Naukrätis und Busiris.

Z. 12. Ägypten besaß schon in unvordenklichen Zeiten zahllose Städteund Dörfer und eine hohe Bildung. Wissenschaften, Künste und bürgerlicheGewerbe fanden daselbst Pflege, so daß man von jeher das Nilland als diegeheimnisvolle Wiege aller menschlichen Kultur angestaunt hat. Aber die Na-turanlage des Volkes und der Einfluß einer übermächtigenKönigs-und Priester-herrschaft hemmten die freie Entwickelung und Fortbildung; alles stand imDienste einer finstern Religion und einer mächtigen Hierarchie, die das Volkm Unterwürfigkeit, Furcht und Aberglauben erhielt. Die Lehre, daß nach dem^ode des Menschen die Seele nur dann zur ewigen Ruhe einkehre, wenn derLerb erhalten werde, erzeugte die eigentümliche Sitte, die Körper der Toteneinzubalsamieren, um sie vor Verwesung zu schützen, und sie als Mumie»"s ichachtartigen Gängen und Totenkammern aufzubewahren. Durch diesenGlauben erlangten die Priester, die als Totenrichter die Gewalt hatten, denLeichnam der Lasterhaften der Verwesung zu übergeben und dadurch die Wan-derung seiner Seele.durch Tierleiber herbeizuführen, sehr große Macht.Die Religion der Ägypter war hauptsächlich Sonnendienst und stand zu derkratur des Landes in inniger Beziehung. Diese Beziehung fand ihren sinnbild-lichen Ausdruck in der heiligen Ehe des Sonnengottes Ofiris mit der Göttindes Nillandes Isis. Aber auch die meisten übrigen Naturgötter der Ägypterwie Ra oder Phra (woher manche das Wort Pharao herleiten wollen)*), wieder thebaische Ammon oder die schöpferische Naturkraft Ptah, waren ihremWesen nach Licht- und Sonnengottheiten. Da man aber neben diesen Gott-heiten auch die ihnen geweihten Tiere verehrte, so artete der ägyptische Kultusallmählich in eine an den gräuelvollsten Tierdienst geknüpfte Symbolik aus.Nicht nur der Stier Apis, der als Sinnbild der Sonne für besonders heiliggalt, auch Kühe, Katzen, Ibis, Sperber, Hunde, Krokodile genossen göttlicherVerehrung. Diese Entartung machte sich auch in der Kunst bemerkbar. DieGötterbildnisse aus hartem Gestein in steifer Haltung und feierlicher Ruhetrugen meistens Tierköpfe. So großartige Werke die Ägypter in der Baukunstgeschaffen und so viele Gewandtheit und technische Fertigkeit sie in der Bild-hauerei und Gewerbthätigkeit beurkundet haben, so wenig Bedeutendesund Bleibendes haben sie in den Wissenschaften und in der Litteratur ge-leistet und selbst dieses Wenige wurde durch die Bilderschrift (Hieroglyphen)dem Volke vorenthalten. Es gab drei Arten von Hieroglyphen, die man teils