8- 70. L. Die griechische Welt. 5K
Abzug aus der Burg. Dies führte einen Krieg zwischen den Thebanern undLacedämoniern herbei. Thebens Gemeinwesen wurde damals von zwei Män-nern geleitet, die Vaterlandsliebe und Tugend mit Mut und kriegerischenTalenten vereinigten und durch innige Freundschaft verbunden waren, Epa-minondas und Pelopidas. Mit vereinten Kräften suchten sie ihr Vaterlandzu heben. Epaminondas führte eine neue Kampfart ein, „die schiefe Schlacht-ordnung", und Pelopidas, von dem die Befreiung der Stadt vorzugsweiseausgegangen war, stiftete die heilige Schar, bestehend aus einer Anzahlbefreundeter und für Ehre und Freiheit begeisterter Jünglinge, die den Spar-tanern siegreich widerstanden. Anfangs leisteten die Athener den ThebanernBeistand und fügten durch ihre Feldherren Jphikrätes, Chabrias undTimothkus den Lacedämoniern zu Wasser und zu Land großen Schaden zu.Als aber Theben die kleineren Städte Böotiens seiner Herrschaft unterwarfund sowohl Thespiä als das mit Athen befreundete Platää, welches nachdem antalcidischen Frieden wieder aufgebaut worden war, von neuem zerstörte,da erwachte die alte Eifersucht wieder. Unter Persiens Vermittelung kamzwischen Athen und Sparta ein Friede zustande, der den Grundsatz der ört-irchm Selbstregieruna von neuem bestätigte. Als die Thebgner sich weigerten.
.^Bedingungen desselben anzunehmen, rückten die Lacedämonier abermalSpu^^macht in ihr Land ein, erlitten aber in der Schlacht bei Leuktradurch Epaminondas und Pelopidas eine so furchtbare Niederlage, daß seitdemihre Macht dahin war. Vierhundert spartanische Vollbürger und sechshundertPeriöken deckten mit dem Führer Kleombrötus die Wahlstatt und die Zahlderer, die besiegt vom Schlachtfelde flohen, war so groß, das König Agesilausnet, das altspartanische Gesetz, welches Flüchtlinge für ehrlos erklärte, „fürdiesmal schlafen zu lassen".
_ 8-70. Bald nachher zog Epaminondas in den Peloponnes und nahtesich Lakoniens mauerloser Hauptstadt, die seit fünf Jahrhunderten keinen Feind^ "er Nähe gesehen. Die Verteidigungsanstalten des alten Königs AgesilausMid die entschlossene Haltung der Spartaner, deren Frauen und Kinder sogarHand anlegten, hielten ihn jedoch von feindseligen Angriffen ab. Großherzigsühnte er dagegen ein altes Unrecht. Er rief die Messenier zur Freiheit ausund gab den aus der Fremde heimkehrenden Nachgebornen das Land der VätcrMit der neugearündeten Stadt Messene zurück. Jetzt geboten die Thebanerm Griechenland und Epaminondas durchzog wiederholt den Peloponnes. Alser einige Jahre später zum vierten Male daselbst erschien, um den neugebildetenBundesstaat in Arkadien mit der Hauptstadt Megalopölis zu züchtigen,welcher in stolzer Überhebung nach der Hegemonie strebte, stellten sich ihm dieSpartaner, mit denen sich ein Teil der Ärkadier verbunden hatte, unter desAgesilaus Führung entgegen und lieferten ihm die Schlacht von Mantinea.In dieser siegten zwar die Thebaner, aber ihr Sieg war durch den Tod desEpaminondas teuer erkauft. Ein Wurfspeer war ihm in die Brust gedrungen;doch erst als er die Niederlage der Feinde erfuhr, ließ er denselben aus derWunde ziehen und hauchte dann seine Heldenseele aus. Zwei Jahre früherib64) war der kühne Pelopidas in Thessalien umgekommen, und einige>mhre nachher starb auch der achtzigjährige Agesilaus, der Spartas höchsteMacht und tiefsten Verfall gesehen, auf dem Rückweg von einem abenteuer-ten Söldnerfeldzug, den er nach Abschluß eines Friedens der griechischenStaaten nach Ägypten unternommen. Epaminondas war hochsinnig, kriegs-erfahren und so gerecht, so uneigennützig und so arm wie Aristides; im Gefühleseiner Menschenwürde und seines höheren Strebens verachtete er Schätze undGenüsse und der einzige Mantel, den er besaß, zierte ihn mehr, als alle Reich-