Buch 
Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
Entstehung
Seite
58
JPEG-Download
 

58

Geschichte der alten Welt.

§. 68 . 69 .

großen Ruhm erwarb. — Nicht lange nach der Rückkehr der Zehntausend ge-rieten die Spartaner, welche dem Unternehmen des Cyrus heimlich Vorschubgeleistet hatten, in einen Krieg mit Persien. Siegreich drang Agesilaus inKleinasien vor und träumte schon von großen Eroberungen, als es den Perserngelang, durch Bestechung und Verführung ihm im Mutterlande nähere Feindezu bereiten. Die Böotrer, Korinther, Argiver, aus Spartas wachsendeMacht neidisch und von dessen Selbstsucht und Übermut vielfach gekränkt,wurden durch persisches Gold leicht zu einem Bunde Wider den vorherrschendenStaat vereinigt. Bald trat auch das gebeugte Athen bei. Nun entspann sichein neuer heftiger Krieg, der zuerst in Böotien seinen Schauplatz hatte. Alshier Lysander in der Schlacht bei Haliartus Sieg und Leben verlor, riefendie Spartaner ihren König Agesilaus aus Asien zurück. Dieser gewann zwardie Schlacht von Koronöa, aber der gleichzeitige Seesieg, welchen der inpersische Dienste getretene Athener Konon bei Knrdus davontrug, vernichtetedie Früchte des Tages. Agesilaus mußte sich nach dem Peloponnes zurück-E. ziehen, um im sogenannten korinthischen Krieg die näheren Feinde zu be-kämpfen, indes Konon mit persischer Unterstützung die Wiederherstellungder Stadt- und Hasenbefestigung von Athen vornahm. Die Zerrissen-heit, Erschlaffung und Eifersucht führten zuletzt eine solche Gesinnungslosigkeitherbei, daß alle griechischen Staaten um die Gunst von Persien buhlten undin den zwischen Sparta und dem Großkönig von Susa vereinbarten schmach-387- vollen Frieden des Antalcrdas willigten, infolge dessen die Westküste vonKleinasien an Persien fiel und dadurch für Hellas und für die Freiheit aufimmer verloren ging.

ß. 68. Der Friede des Antalcidas enthielt noch die weitere Bestimmung,daß alle griechischen Staaten frei sein sollten. Davon nahmen die Spartaner,die als Hüter und Vollstrecker des Friedens aufgestellt waren, Gelegenheit,alle Staatenbündnisse aufzulösen und ihre eigene Macht zu erhöhen. Sie er-385- oberten und zerstörten Mantinea und zwangen die Einwohner, in offenenDörfern zu wohnen; sie erhoben in allen Städten ihre aristokratischen An-hänger zu Macht und Ehre; sie übten in.ganz Griechenland eine schiedsrichter-liche gebieterische Gewalt. Aber ihrem Übermute folgte bald die Strafe. Diegriechische Stadt Olynth in Macedonien hatte einige benachbarte Städte zueiner Eidgenossenschaft vereinigt, über welche sie als Vorort die Oberherrschaftführte. Dies untersagten die Spartaner, weil es dem antalcidischen Friedenzuwider sei, und rückten, als die Olynthier den Bund nicht auflösten, mitso«, nnem HeereinderenLandein,belagerten ihre Stadt und zwangen sie zur Unter-werfung. Auf dem Durchzug durch Böotien hatte sich der spartanische An-führer von der Aristokrateuvartei in Theben bereden lassen, die Burg zubesetzen und die demokratische Verfassung umzustürzen. Das Unternehmen. gelang. Die Führer der Volkspartei, welche sich nicht durch die Flucht zuretten vermochten, wurden teils hingerichtet, teils verbannt, teils in Haft ge-bracht; die Aristokraten bemächtigten sich der Regierung und herrschten ,mVertrauen auf den spartanischen Schutz übermütig und gewaltthätig.

8- 69. Doch die Rache ereilte sie bald. Die gezüchteten Demokratensammelten sich in Athen, von wo aus sie mit ihren Meinungsgenofsen inTheben Verbindungen unterhielten. Von diesen aufgefordert, kehrten sie nacheiniger Zeit in Bauerntracht heimlich zurück, versammelten sich in dem Hauseeines Freundes und überfielen in lange Frauengewänder gehüllt in MterNacht die bei einem schwelgerischen Mahle vereinigten Häupter der Aristokraten.Nach ihrer Ermordung riefen sie das Volk zur Freiheit auf, stellten die demo-kratische Verfassung wieder her und zwangen die spartanische Besatzung zum