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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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8- 149.

Geschichte der alten Welt.

Augustus verband Klugheit und Herrschergaben nnt Milde, Mäßigung undBeharrlichkeit, und da er Meister in der Verstellung war und die Schwächender Menschen zu benutzen verstand, so kam er sicherer zum Ziele als sein großerOheim Cäsar. Unter Augustus hatte das römische Reich die größte Machtnach außen und die höchste Bildung im innern. Es erstreckte sich vom atlan-tischen Ocean bis zum Euphrat, von der Donau und vom Rhein bis zumAtlasgebirge und zu den Wasserfällen des Nil. Die Kunst und Litte-ratur blühte in solchem Grade, daß man die Regierung des Augustus das gol-dene Zeitalter nannte. Schöne Heerstraßen, mit Meilensteinen versehen,verbanden die 25 Provinzen mit Rom und erleichterten den Verkehr; großartigeWasserleitungen, Kanäle u. dergl. beurkundeten den kühnen Unterneh-mungssinn desrömischenVolks;dieStadtselbstwurdemitTempeln, Theaternund Bädern geschmückt und so verändert, daß Augustus sagen konnte, er habeein ziegelsteinernes Rom angetroffen und hinterlasse ein marmornes. DerTempel, den Agrippa allen Göttern weihte (Pantheon), ist noch jetzt eineder schönsten Zierden der ewigen Stadt. Augustus und seine Freunde Mäce-nas, Pollio u. a. waren Beförderer der Kunst und Litteratur, Gönnerder Dichter und Schriftsteller. Auf dem Palatinischen Berge wurde dieerste öffentliche Bibliothek angelegt; der Bürgerstand, der nun nicht mehrin den Krieg zog und die Leitung der Staatsgeschäfte dem Kaiser mit seinenRäten und Amtleuten überließ, widmete seine Muße dem Lesen und Schreibenund ging von der That zum Wort, vom Handeln zum Denken über; dadurchverbreitete sich schnell feine Bildung (Urbanität) über alle Stände.

Z.149. DierömischeLitteratur. Unterden Dichtern, die des Augustus Zeit-B-rgUms Mer zierten, nehmen Virgilius (Vergilius), Horatius und Ovidius den ersten^ Rang ein. Virgilius Verfaßte die Äneide, ein Heldengedicht mit vaterländischerGrundlage und Gesinnung nach Homers Vorbild (Z. 38), Hirtengedichte (Bu-colica) im Geiste Theokrits (Z. 91) und ein Lehrgedicht über den Landbau, inwelchem die Liebe des alten Römers zum Ackerbau und zur Landwirtschaft ihrenHoratius warmen Ausdruck findet. Horatius, dem fein Gönner Mäcenas ein Gütchen imSabinerlande schenkte, schrieb Oden, Satiren (Sermonen) und humoristischeBriefe, worin er mit Witz und Anmut seine heitern Lebensansichten ausspricht.Genügsamen Sinnes zog er ein freies, unabhängiges Leben unter beschränkten Ver-Ovidius hültnissen und bescheidenen Genüssen dem Glanz der großen Welt vor. Ovidius, der" talentvolle Verfasser der mythologischen Erzählungen (Metamorphosen), wurdeVon Augustus in das rauhe Steppenland am schwarzen Meer verbannt, wo er poe-tische Klagbriefe (Tristia) nach der fernen Heimat schrieb. Außerdem machte erdas reiche Gebiet der Liebe zum Gegenstand zahlreicher (elegischer) Dichtungen.Neben ihnen haben sich noch die Elegieendichter Catullus, Tibullus, Pro-«mretius pertius und der begabte ältere Dichter Lucretius Carus, der in seinem Lehr-nivMr. gedicht „von der Natur der Dinge" die philosophischen Ansichten Epikurs (8. 91)poetisch dargestellt hat, großen Ruhm erworben. Auch der Verfasser der bekanntenFabeln, Phädrus, ein thracischer Sklave, dem Augustus die Freiheit geschenkt,lebte um diese Zeit. — Unter den Geschichtschreibern sind am berühmtesten:

der indem jugurthinischen und catilinarifchen Krieg ein treues,Livius aber schreckliches Bild von jener entarteten Zeit entwirft; Titus Livius, der Er-^n.'Thr.zi^her eines der Enkel des Augustus, schrieb in 142 Büchern (von denen aber nur35 erhalten sind) eine vollständige Geschichte Roms, bei der es ihm weniger umkritische und pragmatische Forschung als um lebendige und ergreifende Darstellungzu thun War; Von feinem Zeitgenossen Cornelius Nepos besitzen wir eine Lebens-beschreibung seines Freundes Pomponius Atticus, dagegen rühren die Biographieenausgezeichneter Männer, die sich unter seinem Namm erhalten haben, von einem spä-