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Weltgeschichte in übersichtlicher Darstellung / Georg Weber
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8- 176.

Geschichte des Mittelalters.

Bestrebungen. Der Zwang, den er in seiner Jugend von christlichen Lehrernerduldet, hatte in ihm eine Abneigung gegen das Evangelium erzeugt, währendseine lebhafte Einbildungskraft und ferne Liebe für Platos Philosophie(8§. 65, 72) und für die Litteratur und Dichtkunst des Altertums ihn zumbegeisterten Verehrer des Heidentums machten. Darum wurde er von denchristlichen Schriftstellern mit dem Namen des Abtrünnigen (Apostat) be-legt. Doch war er zu gerecht und zu klug, als daß er blutige Verfolgungenüber die Christen verhängt hätte; er begnügte sich, sie aus seiner Nähe und vonden Staats- und Lehrämtern zu entfernen, ihre Ansichten in Schriften zu be-kämpfen, den heidnischen Götterdienst mit seinen Festen und Opfern wiederherzustellen. Dem Sonnenaotte brachte er selbst zuweilen feierliche Heka-tomben von hundert Stieren dar. Allein sein Bestreben, die zur Leiche gewor-dene heidnische Volksreligion wieder zu beleben und die Sitten und Einrich-tungen einer entschwundenen Zeit zurückzurufen, war ein thörichtes Unter-fangen. Als er mit altrömischem Heldensinn einen kühnen Feldzug gegen dieNeuperser unternahm, erobernd über den Euphrat und Tigris drang, dannaber, in unzugängliche Berggegenden verlockt, einen beschwerlichen Rückzug an-treten mußte, traf ihn ein tödlicher Pfeil und vernichtete seine Schöpfungen.JM-n «Du hast gesiegt, Galiläer!" sollen seine letzten Worte gewesen sein. Sein»«»- Nachfolger, der weichliche Jovian, gab in einem schimpflichen Frieden dasValen's Eroberte zurück und verlieh dem Christentum wieder die Herrschaft. NachK»- feinem Tode wurde das Reich geteilt, fo daß der Arianer Valens über dasBalen'ti- Morgenland regierte, während fein Bruder, der rauhe, kriegerische Valenti-"-s7s?nilM I., dem Abendlande Vorstand.

II. Die Völkerwanderung.

1. Theodosius der Große (379—395).

H. 176. Als Valens den Osten regierte, kam aus den Steppen von Mittel-asien ein wildes, häßliches, Wohlberittenes Nomadenvolk — die Hunnen,nach Europa. Nach Unterwerfung der Alanen bewältigten sie die tapfernOstgothen, deren greiser König Hermanrich sich selbst den Tod gab, undgriffen dann die Westgothen an. Diese erhielten aber, weil sie bereits vomBischof Ulfilas zum arianifchen Christentum bekehrt worden waren, vonValens die Erlaubnis, mit Weib und Kind über die Donau zu fetzen und neueWohnsitze einzunehmen. Durch die Bestechlichkeit der römischen Beamten blie-ben die Westgothen gegen die Übereinkunft im Besitze ihrer Waffen, und da siedurch die Härte und Habgier der Statthalter bald in die größte Hungersnotgerieten, so griffen sie zu dem gewohnten Schwerte, stürmten die Stadt Mar-cianopel und durchzogen raubend und verwüstend das Land. Da rückte Va-»78. lens eilig gegen die Feinde, verlor aber in der mörderischen Schlacht vonAdrianopel den Sieg und aus der Flucht in einer brennenden Hütte das Leben.Mit entfesselter Wut durchstreiften jetzt die Sieger das wehrlose Land bis zuden Mischen Alpen und bedrohten sogar die Grenzen von Italien. In dieserGratian Not erwählte Gratian, der Sohn Valentinians, den tapfern Feldherrn Theo-38». dosius, welcher damals aus seinem Landgute in Spanien in der VerbannungAs79 lebte, zum Beherrscher des Morgenlandes. Dieser beendigte den Gothenkrieg,-»äs. (ndem er einen Teil der Feinde m den südlichen Donauländern ansiedelte, einenandern Teil als Söldner in die römischen Heere aufnahm. Einige Zeitnach-»8». her wurde Gratian, der jagdliebende Zögling des Naturdichters Ausonius,in einem Aufstand ermordet. Da fetzte Theodosius, nachdem er den Anstifterder Empörung, den gallischen Statthalter Maxlmus, in der Feldschlacht